Kategorie: Österreich und Alpen

Ischgl. Hinter der Legende

Ischgl in Tirol ist eines der bekanntesten Skigebiete der Welt mit 238 Kilometer Piste, verbunden durch 46 Lifte, schneesicher von Ende November bis Anfang Mai reicht es bis zum zollfreien Samnaun in der Schweiz. Hinter dem Glamour steckt eine Geschichte, die kaum jemand kennt.

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Silvretta Arena · 2.872 m · 238 km Piste

Ischgl. Hinter der Legende

Ischgl, die Legende

Es gibt Orte, deren Ruf man kennt, bevor man ankommt. Ischgl ist so ein Ort. Après-Ski, Konzerte auf dem Berg, Glamour in 2.300 Metern Höhe. Aber der Ruf allein erzählt nicht die Geschichte. Die beginnt nämlich noch sehr viel früher: Mit 40-Kilo-Rucksäcken und Touren durch Nacht und Schnee.

Nacht, Schnee und 40 Kilo auf dem Rücken

Nach dem Krieg war die ganze Gegend rund um das Paznaun arm. Es war nicht dramatisch, immerhin gab es genug zu essen, schließlich hatten die Bauern Land und Vieh. Trotzdem fehlte vieles: Kaffee, Tabak, Süßstoff, Seidenstrümpfe. Das alles gab es im Zollfrei-Ort Samnaun, drüben in der Schweiz. Und zwischen Ischgl und Samnaun lag nur ein Berg. Ein großer Berg, zugegeben, Teil des Silvretta-Gebirges mit immerhin 74 Dreitausendern. Also packten die Männer des Dorfes ihre Rucksäcke, mit denen sie bis zu 40 Kilo Gewicht tragen konnten. Dabei starteten sie mitten in der Nacht, gegen zwei Uhr. Für den Hin- und Rückweg brauchten sie insgesamt zehn Stunden. Damit die Zöllner sie nicht sahen, gingen sie bei Schnee und schlechtem Wetter. Trugen Butter und Käse in die Schweiz, kehrten mit Kaffee und Tabak zurück nach Österreich. Denn wer erwischt wurde, verlor alles.

Der erste Skilift mit Geld aus dem Schmuggel

Ein ehemaliger Schmuggler, Emil Zangerl, hat das alles erzählt und aufgeschrieben. Und er berichtete auch, was mit dem Geld passierte. Die Männer nutzten es nämlich nicht nur für sich privat, sondern hatten bis 1952 genug für etwas angespart, das die Geschichte des Dorfes für immer verändern sollte.
Den ersten Skilift von Ischgl finanzierten die Schmuggler mit dem Geld aus den nächtlichen Touren über die Grenze. Das ist kein Mythos, sondern gelebte Zeitzeugengeschichte.
Heute fährt man dieselbe Route als Schmugglerrunde, in drei Varianten: Bronze (25 km), Silber (45 km) oder Gold (61,8 km, 13.740 Höhenmeter). Was früher ein lebensgefährlicher Überlebenstrick war, ist heute ein Skiabenteuer.

Schmuggel war in den Alpentälern üblich

In den Alpentälern war Schmuggel keine Seltenheit, ich kannte es schon aus dem Allgäu. Dort führt heute der sogenannte Schmugglersteig als Erlebniswanderung vom Iseler in Oberjoch über die Grenze zum Wannenjoch in Tirol und erinnert an diese Zeit. Insgesamt sind das gut vier Kilometer, eine Wanderung für zwei bis drei Stunden, und mit Spielstationen für die Kinder. Man kann dabei sogar in die Rolle des Schmugglers schlüpfen und bekommt am Ende einen Schmugglerpass. Früher war das jedoch bitterer Ernst. Und die Not in den Tiroler Tälern zeigte sich noch auf andere Weise. Bis in die 1920er Jahre wurden Kinder aus armen Bergbauernfamilien, die sogenannten Schwabenkinder, alljährlich über verschneite Pässe nach Schwaben geschickt und dort auf Kindermärkten in Ravensburg an Bauern als billige Arbeitskräfte vermittelt. Das betraf jedes Jahr bis zu 6.000 Kinder. Nicht alle kamen nach Hause zurück.

Film: Schwabenkinder

Der Fernsehfilm „Schwabenkinder” von Regisseur Jo Baier aus dem Jahr 2003, mit Tobias Moretti in einer der Hauptrollen, hat dieses düstere Kapitel eindrucksvoll verfilmt. Die Armut in diesen Tälern war real. Dass die Männer von Ischgl daraus einen Ausweg fanden, und das Geld in etwas Bleibendes investierten, hat mich wirklich bewegt.

73 Bauern und eine Wiese am Ortsrand

Auf der Idalp trifft sich alles

Am 18. April 1961 trafen sich 73 Männer, die meisten von ihnen waren Bauern aus Ischgl und der näheren Umgebung. Sie legten ihr Geld zusammen und gründeten die Silvrettaseilbahn AG.
Denn sie wollten eine richtige Seilbahn bauen. Auf einer Wiese am Ortsrand entstand die Talstation, auf der Idalp, in 2.320 Metern Höhe die Bergstation. Sechs Wochen nach der Gründungsversammlung waren die Bauaufträge bereits vergeben und im Herbst desselben Jahres fuhren die ersten Gondeln nach oben.
Damals freilich konnte noch niemand ahnen, dass die 73 Männer damit den Grundstein für eines der erfolgreichsten Skigebiete der Welt legten. Heute transportiert die Silvrettaseilbahn AG jährlich 17 Millionen Menschen auf diese Berge mit insgesamt 46 Liften, 239 km Piste, und beschäftigt über 500 Mitarbeiter.

Silvrettaseilbahn AG

Das Kapital gehört immer noch überwiegend der Region selbst. Die Gemeinde Ischgl hält knapp 28 Prozent, der Gemeindeverband Paznaun rund 22 Prozent. Damit bleiben die Gewinne im Tal, und werden reinvestiert. Seit der Gründung wurden über 600 Millionen Euro in die Infrastruktur gesteckt, ohne je in die roten Zahlen zu geraten.
Wer heute durch die Talstation der Silvrettabahn geht, sieht die Namen der alten Paznauntaler Familien auf einer Tafel verewigt.
Mich hat daran am meisten beeindruckt, dass sich 73 Menschen aus einem einzigen Tal so einig waren. Und dass sie das Kapital nicht einfach rausgezogen und für sich selbst verwendet, sondern es immer wieder reinvestiert haben. Das ist nicht selbstverständlich, sondern eigentlich ziemlich außergewöhnlich.

Eine Stimme Mehrheit

Es gibt Entscheidungen, die von einer einzigen Stimme abhängen. Nicht von einer Person, die über alles bestimmt, sondern von diesem einen Moment, in dem sich die Waagschale auf eine Seite neigt.
Es war also 1995. Günther Aloys, Sohn des Silvrettabahn-Mitgründers Erwin Aloys, trug seine Idee vor dem Tourismusverband vor: Er wollte, dass auf dem Berg ein Weltklasse-Konzert stattfindet. Auf 2.300 Metern Höhe, im Schnee, mit einem der bekanntesten Musiker der Welt. Es würde Millionen kosten und niemand konnte vorhersagen, ob es funktionieren oder sich gar rentieren würde. Die Entscheidung fiel mit einer einzigen Stimme Mehrheit. Eine einzige Stimme für den Auftritt von Elton John, und die Geschichte von Ischgl nahm richtig Fahrt auf.

Elton John war der erste

Der britische Konzertveranstalter Andrew Zweck, ein Live Aid-Veteran mit den richtigen Kontakten, organisierte den Auftritt. Und so spielte an einem verschneiten Nachmittag im April 1995 Elton John Klavier auf der Idalp. Tausende Skifahrer in Skischuhen standen im Schnee davor.

Die Zeitungen schrieben seitenweise darüber. Und Ischgl hat seitdem nie aufgehört. Es kamen: Robbie Williams. Lenny Kravitz. Kings of Leon. Helene Fischer, alle waren auf dem Berg. Der Eintritt ist meistens im Skipass inbegriffen, man kauft ein Ticket für die Piste und bekommt einen Konzertabend dazu.

Ibiza der Alpen

Heute jedoch wird Ischgl das „Ibiza der Alpen” genannt. Es gibt im Ort über 30 Bars und Clubs, in denen ab halb zwei Après-Ski gefeiert wird, die ganze Saison über, 160 Tage lang. Alles begann damit, dass ein Tourismusverband mit einer einzigen Stimme Mehrheit das größte Wagnis seiner Geschichte beschloss.
Ein Konzert habe ich in Ischgl selbst noch nicht erlebt. Aber wer durch den Dorftunnel geht oder mit dem Förderband drin fährt, sieht an den Wänden die Geschichte der Konzerte, die Gesichter von allen, die je auf dem Berg gespielt haben. Und vor der Touristinformation sind Sterne im Pflaster eingelassen, wie ein kleiner Hollywood Walk of Fame.

238 Kilometer, zwei Länder, ein Plateau

238 Kilometer Piste. 46 Lifte. Dabei liegt der einen Seite Österreich, auf der anderen die Schweiz und die Silvretta Arena verbindet Ischgl mit dem zollfreien Samnaun. Man fährt über die Grenze, kauft drüben ein, und fährt zurück. Ganz legal, auf Skiern, mit Liften.
Der höchste Punkt des Skigebietes liegt auf 2.872 Metern. Und die Idalp auf 2.320 Metern ist der fulminante Mittelpunkt, in dem sich die Lifte treffen. Hier sind einige der großen Restaurants, und hier finden die Konzerte statt. Von der Talstation der Silvrettabahn mit der A1-Gondel dauert es nur zehn Minuten Fahrzeit.

Das Gebiet gilt als schneesicher, Ende November beginnt typischerweise die Saison, das Closing ist dann Anfang Mai. Die Schmugglerrunde in der Gold-Variante ist dann schon etwas für erfahrene Fahrer mit Ausdauer. Sie führt über eine Länge von 61,8 km, auf der insgesamt 13.740 Höhenmeter bewältigt werden. Das ist ein kompletter Tag auf den Pisten.
Was mich als Anfängerin am meisten überrascht hat, ist, wie vielseitig das Gebiet ist. Ich bin noch längst keine Expertin auf Skiern, komme aber in Ischgl trotzdem schon erstaunlich weit. Blaue Pisten, erste rote, und die Schmugglerrunde Bronze. Und dann natürlich die Berge. Die sind einfach, nun ja, super.

Meine Geschichte: Vom fliegenden Teppich zur Schmugglerrunde

Mit über fünfzig Jahren stand ich zum ersten Mal auf Skiern in Ischgl. Das ist entweder sehr mutig oder sehr verrückt, wahrscheinlich eine Mischung aus beidem.
Der fliegende Teppich, dieser kleine Förderband-Lift, den eigentlich die Vier- und Fünfjährigen benutzen, führte zu meinem ersten Berg hinauf. Langsam lernte ich, was es bedeutet, wenn zwei schmale Bretter plötzlich entscheiden wollen, wohin die Reise geht. Alles, was nicht waagerecht war, war zunächst eine Herausforderung.
Aber Ischgl ließ mich nicht los. Und so kam ich wieder. Und nochmal. Und mit jedem Winter wurde ein bisschen mehr daraus. Zunächst blaue Pisten, dann erste rote, noch langsam, noch vorsichtig, aber ich bin sie gefahren.

Schmugglerrunde Bronze

Und in diesem Winter? Die Schmugglerrunde Bronze. 25 Kilometer auf den Spuren der Männer, die hier einst nachts mit 40-Kilo-Rucksäcken durch den Schnee zogen. Allerdings hatte ich keinen Rucksack und es war tagsüber bei allerschönstem Sonnenschein, doch die Berge waren dieselben. Und das Gefühl, diese Strecke zu schaffen, war unbezahlbar.
Ischgl ist nicht nur ein Skigebiet. Es ist auch ein Ort, an dem man sich selbst überraschen kann.

Ischgl ist eine Legende

Die Legende Ischgl ist nicht zufällig geworden, wie sie ist. Hinter dem Glamour steckt ein unwahrscheinliches Bündel aus Geschichten: Schmuggler, die nachts durch den Schnee zogen, 73 Bauern, die ihr Erspartes zusammenlegten. Eine Abstimmung mit einer Stimme Mehrheit, durch die ein britischer Pianist auf einem österreichischen Berg ein Konzert gab.
Man kann Ischgl als Partyziel ablehnen, so wie es viele tun. Aber man kann die Geschichte dahinter nicht unberührt lesen. Ein armes Dorf, das dreimal hintereinander das Richtige wagt. Und heute Millionen von Menschen auf einem Berg empfängt, der früher nur ein Hindernis war, eines, das man nachts und heimlich überwinden musste.
Wer Tirol abseits des Glamours entdecken möchte, findet in Hochfilzen ein ruhiges, familienfreundliches Gegenstück.
Die Lifte laufen noch bis Anfang Mai.

Bücher und Ausrüstung für Ischgl-Fans

Wer Ischgl von einer ganz anderen Seite kennenlernen möchte, dem sei der Fotoband Ischgl von Lois Hechenblaikner empfohlen. Der Tiroler Fotograf dokumentiert seit Jahrzehnten den Tourismus in seiner Heimat: kritisch, schonungslos und künstlerisch beeindruckend. Ein Buch, das nachwirkt, leider aber nur noch antiquarisch relativ teuer erhältlich ist.

Mehr über die Geschichte des Tourismus in Tirol, und damit auch über die Wurzeln eines Ortes wie Ischgl, lässt sich mit dem Buch sei „Zu Gast im Herzen der Alpen“ von Michael Forcher erfahren. Ein reich bebildertes, unterhaltsames Buch, das zeigt wie aus armen Bergbauernregionen Weltskigebiete wurden.

Für eine sommerliche Erkundung von Silvretta und das Paznauntal sind im Rother Wanderführer Arlberg und Paznaun alle nötigen Informationen für Touren abseits der Pisten, von leichten Almwanderungen bis zu anspruchsvollen Hochtouren.

Und wer nach der Lektüre dieses Artikels Lust bekommen hat, selbst die Schmugglerrunde zu fahren: Eine Auswahl an Hotels und Unterkünften in Ischgl findest du hier: Hotels und Unterkünfte in Ischgl.

Praktische Informationen & Links
Ischgl
Silvrettaseilbahn AG – Tickets & Lifte
Silvretta Arena – Pisteninfo & Karte
Top of the Mountain – Konzertprogramm
Schmugglerrunde – alle drei Varianten

Hochfilzen erleben: Winter, Biathlon und Familienabenteuer in Tirol

Hochfilzen in Tirol, auf 985 Metern Höhe gelegen, ist einer der schneesichersten Orte der Alpen und dreifacher Gastgeber der Biathlon-Weltmeisterschaften — und gleichzeitig eines der familienfreundlichsten Winterziele Österreichs.

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Hier kommt der Winter mit Sport und Familien zusammen

Hochfilzen in Tirol ist ein Familienurlaub der besonderen Art. Hier wirkt der Winter, als hätte er selbst einen ruhigen Lieblingsort gefunden. Es ist eine stille, funkelnde Hochebene, eingebettet zwischen den schroffen Leoganger Steinbergen und den weichen, weißen Hügeln der Kitzbüheler Alpen. Wer hier ankommt, spürt sofort diese besondere Mischung: das sanfte Atmen eines Bergdorfes, das seine Wurzeln nie verloren hat, und gleichzeitig die vibrierende Energie eines Sportzentrums, in dem Weltklasse-Athleten Geschichte schreiben.

Für Kinder sehr gut geeignet

Hochfilzen empfängt Kinder wie ein freundlicher Riese. Gerade für Familien ist Hochfilzen ein leuchtender Startpunkt mit einladenden Pisten, ideal für erste Bögen. Die Loipen für Langlauf ziehen sich wie gemalte Linien durch das Tal, auf ihnen lässt sich im Gleiten ein kleines poetisches Abenteuer erleben, das im eigenen Tempo wächst. Es ist ein guter Ort, um sich vorsichtig an Geschwindigkeit heranzutasten, das Gleichgewicht zu finden, das Lächeln zu spüren, wenn es plötzlich „klick“ macht und man gleitet, statt zu stolpern. Und dann die Loipen, diese eleganten weißen Linien, die sich durch das Tal ziehen wie Geschichten, denen man nur folgen muss. Langlaufen mit Kindern? In Hochfilzen ist das ein Wohlfühl-Abenteuer. Die Strecken sind übersichtlich, klar präpariert, und die Stimmung leise, fast meditativ. Jeder Schritt wird damit zu einem kleinen Gedicht.

Aufstieg zu Fuß oder mit dem Skidoo

Wer noch mehr Abenteuer sucht, kann neben der Bahn zu Fuß oder auf Schneeschuhen hochsteigen. Die „fetten“ Schneeschuhe verteilen das Gewicht auf dem Schnee, sodass Kinder und Erwachsene mühelos den Hang erklimmen können. Oben angekommen: Schlitten geschnappt und ab geht’s. Das ist ein Winterspaß, der leicht, sicher und magisch zugleich ist. Wer es bequemer haben möchte, nutzt die Skidoo-Aufstiegshilfe, ein kleines Schneemobil.

Für etwas anspruchsvollere Outdoor-Fans lohnt sich der Aufstieg mit Tourenski und Fellen. Sie greifen in den Schnee, sodass man den Hang hochgehen kann, ohne zurückzurutschen. Perfekt für kleinere Skitouren direkt neben der Bahn, vorausgesetzt, der Schnee ist griffig. Bei verharschten Stellen empfiehlt es sich, eher zu Fuß hochzusteigen.

Hochfilzen ist also nicht nur ein Winterziel, sondern ein Ort, an dem Kinder lachen, Familien Abenteuer teilen und jeder Schritt in der Natur kleine Erfolgserlebnisse schenkt. Ob rodeln, stapfen oder gleiten: Hier wächst die Freude am Winter ganz von selbst.

Im Fairhotel entspannen

Das Fairhotel Hochfilzen, geführt von Hans Eder und seiner Familie, ist mehr als nur ein Ort zum Übernachten. Es ist ein Passiv-Energie-Hotel, gebaut, um Energie zu sparen und die Umwelt zu schonen, und gleichzeitig Wohlbefinden zu schenken. Die Zimmer sind hell, ruhig, klar, und damit perfekt, um nach einem Tag auf den Loipen oder Rodelbahnen zur Ruhe zu kommen. Besonders erwähnenswert sind die Matratzen. Wer hier schläft, spürt sofort, dass guter Schlaf kein Luxus, sondern Programm ist. Kinder kuscheln sich tief hinein, Erwachsene finden nach einem langen Wintertag Entspannung.

Das Zusammenspiel aus klarer Architektur, nachhaltigem Konzept und bewusstem Schlafkomfort macht das Fairhotel zu einem Ort, an dem sich die Ruhe von Hochfilzen noch intensiver anfühlt. Man kommt nicht nur an, man atmet durch und spürt die Energie, die der Ort und das Haus geben.

Biathlon in Hochfilzen

Doch Hochfilzen hat auch ein stolzes zweites Gesicht: jenes des Biathlons, der Sportart, die Präzision und Leidenschaft vereint. In der modernen Weltklasse-Arena trainiert die österreichische Nationalmannschaft, hochkonzentriert, durchdrungen von Ehrgeiz und Präzision. Wenn man Glück hat, sieht man sie auf der Weltklasse-Biathlonanlage ihre Runden ziehen, das schnelle Atmen im Frost, das Klicken der Ski, die ruhige Hand am Schießstand. Und plötzlich begreift man: Dieser Ort ist nicht nur ein Urlaubsdorf. Er ist eine Bühne für Meisterschaft.

Seit vielen Jahren finden hier Wettkämpfe der Weltelite statt, packende Rennen, bei denen ganze Täler den Atem anhalten. Wenn die Fans anrücken, die Fahnen flattern und die Berge widerhallend applaudieren, verwandelt sich Hochfilzen in ein sportliches Herzstück Europas. Für Kinder ist das wie ein Märchen, das sie zum Greifen erleben können. Sie sehen, wie Profis trainieren, kämpfen, jubeln, verlieren und wieder aufstehen. Sie sehen ihre Helden nicht im Fernsehen, sondern in der klaren Winterluft, vielleicht nur ein paar Meter entfernt.

Stille Umgebung, perfekte Ruhe

Hochfilzen

Und rundherum? Die Landschaft ist ein Geschenk. Sanfte Hügel, mächtige Gipfel, weite Täler, kleine Höfe, gute Küche, fröhliche Menschen. Spazierwege, die sich durch verschneite Wälder ziehen, Hütten, in denen die Suppe nie besser schmeckt als nach einem Wintertag, Ausflugsmöglichkeiten in die Kitzbüheler Alpen, die vor Schönheit fast überquellen. Hochfilzen ist ein Ort, an dem Familien ankommen. An dem Kinder wachsen. An dem der Winter kein fremder Gast ist, sondern ein Freund, der einlädt zum Spielen, Lernen, Staunen. Ein Ort, der sanfte Erinnerungen stiftet und gleichzeitig mit dem Feuer des Biathlons lodert.

Die Geschichte beginnt im Mittelalter

Schon im Mittelalter tauchte Hochfilzen in Urkunden auf. Damals war es noch ein abgelegener Weiler, in dem die Menschen von Landwirtschaft lebten, von harter Arbeit und einem Leben im Rhythmus der Jahreszeiten. Die Gegend war lange Zeit so abgeschieden, dass man fast sagen kann: Das Dorf hat sich seine Seele bewahrt, weil es von der Welt nicht überrannt wurde.

Im 17. und 18. Jahrhundert war es ein wichtiger Standort für den Holzabbau, die Wälder rundherum waren reich und boten Brenn- wie Bauholz. Später, im 19. Jahrhundert, begann der Abbau von Erzen. In Hochfilzen wurde Magnesit abgebaut, der für die Industrie wichtig war. Noch heute lassen sich mit geschärften Augen Spuren davon in der Landschaft finden.

Und dann gibt es ein Kapitel, das man nicht verschweigen sollte: Während des Zweiten Weltkriegs befand sich in Hochfilzen ein Außenlager des KZ Dachau. Mahnmale erinnern als stille Zeugen daran, dass Schönheit und Schrecken manchmal dicht beieinander liegen. Die Gemeinde setzt sich heute dafür ein, dass diese Geschichte nicht vergessen wird.

Schneesichere Lage in Tirol

Nach dem Krieg wandte sich Hochfilzen langsam dem zu, wofür es heute berühmt ist: dem Wintersport. Die Höhenlage macht das Dorf zu einem der schneesichersten Orte Tirols, und so wuchs es vom Bergbauerndorf zur sportlichen Bühne heran. Der Biathlon, einst Randerscheinung, wurde hier zu einem Markenzeichen und brachte der Gemeinde sogar die Biathlon-Weltmeisterschaften (1998, 2005 und 2017). Seitdem ist Hochfilzen ein Name, den die Wintersportwelt mit Respekt ausspricht.

Die Umgebung ist ein Kranz aus Dörfern, Bergen und Geschichten

Rund um Hochfilzen liegen Orte, die wie kleine Geschwister wirken, jeder von ihnen mit seinem eigenem Charakter:

Fieberbrunn
Direkt nebenan, ein quirliges, sportliches Tal mit der berühmten Streubödenbahn und dem Skicircus Saalbach-Hinterglemm-Leogang-Fieberbrunn. Perfekt für Ausflüge, größere Skitage und kleine Abenteuer abseits der Loipe.

Leogang
Nur ein paar Kilometer entfernt ist es rauer, steiniger, dramatischer. Die Leoganger Steinberge ragen wie Wächter in den Himmel. Ein Paradies für Wanderer, Biker, Kletterer und Naturverliebte.

Saalfelden
Ein Städtchen mit Charme und Kultur. Hier trifft Alpenluft auf Musik, denn Saalfelden ist bekannt für sein Jazzfestival. Und für gemütliche Cafés, kleine Läden, Spazierwege, die durch Wälder und am Ritzensee vorbeiführen.

St. Johann in Tirol
Ein lebendiger Ort, ein bisschen größer, ein bisschen mondäner, mit vielen Einkaufsmöglichkeiten. Von dort hat man ein atemberaubendes Panorama auf das wilde Massiv des Kaisergebirges.

Kitzbühel
Die berühmteste Nachbarin liegt nur eine halbe Stunde entfernt. Kitzbühel glänzt, funkelt, lebt zwischen Tradition und Eleganz. Wer mal durch die Altstadt bummelt oder auf dem Hahnenkamm steht, spürt sofort: Das ist alpine Geschichte pur.

Hochfilzen ist mehr als ein Reiseziel

All das macht Hochfilzen mehr als ein Reiseziel. Es ist ein Gefühl: ein leises Flüstern von Geschichte und ein kräftiger Schlag des Sports. Ein Lächeln eines Kindes, das zum ersten Mal allein über eine Piste gleitet. Ein Atemzug kalter Morgenluft, der sich anfühlt wie ein Neuanfang. Ein Platz, an dem sich Familien geborgen fühlen und gleichzeitig spüren, dass hier Großes passiert.

Wer einmal in Hochfilzen war, nimmt mehr mit als Fotos: ein warmes Leuchten im Herzen, das selbst dann bleibt, wenn der Schnee längst geschmolzen ist.

Praktische Informationen für deinen Besuch in Hochfilzen

Anreise
Hochfilzen liegt im Pillerseetal in Tirol, direkt an der Bahnstrecke Salzburg–Innsbruck. Mit dem Zug ist der Ort bequem erreichbar — der Bahnhof liegt mitten im Dorf. Mit dem Auto kommt man über die A10 Tauernautobahn und dann über St. Johann in Tirol.

Beste Reisezeit
Hochfilzen ist schneesicher von Dezember bis März. Wer Biathlon-Weltcup live erleben möchte, sollte den Veranstaltungskalender der Biathlonanlage im Blick behalten — die Rennen finden meist im Dezember statt.

Übernachten
Das Fairhotel Hochfilzen, geführt von Familie Eder, ist ein nachhaltiges Passivenergie-Hotel direkt im Ort, besonders empfehlenswert für Familien.

Lesetipps

Wer die Kitzbüheler Alpen auch im Sommer erkunden möchte, findet im Rother Wanderführer Kitzbüheler Alpen von Sepp und Marc Brandl einen zuverlässigen Begleiter mit 62 Touren von der gemütlichen Almwanderung bis zur anspruchsvollen Gipfeltour, inklusive GPS-Tracks.

Für Biathlon-Fans und alle, die nach dem Besuch der Arena mehr über die großen Stars des Sports erfahren wollen, lohnt sich Die Helden des Biathlons von Emma Horn, mit Porträts von Magdalena Neuner, Laura Dahlmeier, Ole Einar Björndalen und vielen mehr, begleitet von großformatigen Fotos.

Weitere Unterkünfte in Hochfilzen und Fieberbrunn findest du hier: Hotels in der Region

 

Mehr aus Tirol auf Schreibreise
Auch die Passionsspiele in Erl sind einen Besuch wert — ein einzigartiges Kulturerlebnis im Tiroler Unterland.

Wer den Winterurlaub in der Region verlängern möchte, findet in Ischgl ein fulminantes Gegenstück zu Hochfilzens stiller Wärme. Nur eine gute Stunde entfernt liegt das Ibiza der Alpen mit 238 Kilometern Piste, legendärem Après-Ski und einer Geschichte, die kaum jemand kennt: Schmuggler, 73 Bauern und ein Konzert mit Elton John. Alles darüber gibt es hier: Ischgl. Hinter der Legende

Die Passionsspiele in Erl

Alle sechs Jahre verwandelt sich das Tiroler Dorf Erl bei Kufstein in eine der ungewöhnlichsten Bühnen Europas: Die Passionsspiele Erl, seit 1613 ununterbrochen aufgeführt, ziehen Zehntausende Besucher aus aller Welt an.

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Die Passionsspiele in Erl: Gelebte Tradition seit 1613

Alle sechs Jahre verwandelt sich der kleine Tiroler Ort Erl, nahe Kufstein, in eine Bühne der besonderen Art: Die berühmten Passionsspiele Erl ziehen Besucher aus aller Welt an. Ihren Ursprung verdanken sie einem Pestgelübde aus dem Jahr 1613. Seit dieser Zeit bringen die Menschen der Region mit großer Hingabe die Leidensgeschichte Christi auf die Bühne.

Diese uralte Tradition ist nicht nur ein fester Bestandteil des kulturellen Lebens in Tirol, sondern auch ein beeindruckendes Zeugnis dafür, wie Glaube, Gemeinschaft und Theaterkunst über Jahrhunderte hinweg Generationen verbinden. Die Passionsspiele von Erl sind heute weit über die Grenzen Österreichs hinaus bekannt und stehen für gelebte Geschichte, Brauchtumspflege und kulturelle Identität.

Der Brennerpass: Historisches Tor durch die Alpen

Der Brennerpass zählt zu den bedeutendsten und zugleich niedrigsten Alpenübergängen und war über Jahrtausende hinweg ein wichtiger Verkehrsknotenpunkt zwischen Nord und Süd. Besonders das Inntal, durch das der grüne Inn gemächlich fließt, bietet eine der bequemsten Routen durch das mächtige Gebirge. Schon die Römer errichteten hier die erste Straße über den Pass, Kaiser Karl zog auf seinem Weg nach Canossa durch das Tal, und bis heute nutzen Händler und Reisende diese Verbindung.

Der Brennerpass ist mehr als nur ein Alpenübergang, er ist das Tor zur italienischen Adria. Über Jahrhunderte hinweg florierte der Handel auf dieser pulsierenden Handelsader. Wein, Getreide, Tuche und Salz fanden den Weg in den Norden, während der Süden im Gegenzug mit Wolle, Pelzen und Honig beliefert wurde. Wo der Handel blühte, gediehen auch Wohlstand und kultureller Austausch.

Krankheiten auf Reisen: Wenn Seuchen über die Alpen kamen

Schon im Mittelalter machten sich Händler auf den Weg über den Brennerpass und andere wichtige Handelsrouten durch die Alpen. Sie transportierten ihre Waren auf Wagen, Karren, Lasteseln oder Pferden. In ihren Bündeln lagen Stoffe, Salz, Wein, Getreide und viele weitere begehrte Handelsgüter.

Doch nicht immer beschränkte sich der Transport auf harmlose Waren. Oft genug reisten auch unsichtbare Gefahren mit: Krankheiten. Pest, Pocken und andere infektiöse Krankheiten verbreiteten sich unbemerkt mit den Menschen, die von Stadt zu Stadt, von Dorf zu Dorf zogen. Die Reiserouten des Handels wurden so auch zu Routen der Seuchenverbreitung.

Krankheiten als unerkannte Begleiter

Niemand wusste damals von Viren oder Bakterien. Die Menschen vermuteten hinter Krankheiten wie der Pest oder den Pocken den Zorn Gottes. Wer krank wurde, galt als von Gott bestraft. Besonders in Zeiten großer Epidemien verstärkte sich dieser Aberglaube.

Wie die Menschen reagierten

Während sich manche in ihr Schicksal fügten, suchten andere nach Wegen, um Gottes Gnade zurückzugewinnen. Messen, Bußgänge und Bittprozessionen wurden abgehalten. Man hoffte, dass durch Frömmigkeit und Demut das Unheil von den Städten und Dörfern abgewendet werden könnte.

Warum sich Krankheiten so rasend schnell verbreiteten, lässt sich heute leicht erklären, damals war es ein Rätsel. Es gab keine Hygiene-Standards, die engen Gasthöfe und Handelswege wurden zu idealen Brutstätten für Seuchen. Niemand wusste etwas über Ansteckung, und die langen Dauern der Reisen ohne jede medizinische Versorgung taten ihr Übriges.

Reisende waren also nicht nur Bringer von Waren, sondern unbewusst auch Überträger von Krankheiten. Besonders entlang bekannter Routen wie dem Brennerpass oder durch das Inntal verbreiteten sich Seuchen schnell.

Das Passionsspielhaus in Erl
Das Passionsspielhaus in Erl

Erl: Zwischen Bayern und Tirol, zwischen Glauben und Geschichte

Das kleine Dorf Erl in Tirol liegt nicht nur idyllisch nahe bei Kufstein, sondern auch an einer der wichtigsten Reiserouten zum Brennerpass. Schon seit Jahrhunderten führt der Weg von Norden nach Süden am Inn entlang, damals wie heute teilen sich Autobahn, Eisenbahn, der Fluss und kleine Nebenstraßen das weite, grüne Tal.

Erl ist geografisch besonders gelegen: An drei Seiten von Bayern umgeben, befand sich der Ort immer wieder mitten in umkämpften Grenzregionen. Kein Wunder also, dass auch die großen Katastrophen der Geschichte, wie die Pest und andere Seuchen, hier stets zum Greifen nah waren.

Der Ursprung der Passionsspiele in Erl

Der Schwarze Tod – wie die Pest genannt wurde – prägte das Leben der Menschen tief. Doch wo Furcht herrscht, wächst auch der Wille zum Widerstand, zur Hoffnung, zum Gebet. In Erl fanden die Menschen eine besondere Form, ihrem Glauben Ausdruck zu verleihen: die Passionsspiele.

Ob es die Bauern und Schiffer von Erl waren, die aus eigenem Antrieb begannen, oder ob der Anstoß vom Pfarrer kam – darüber schweigt die Geschichte. Sicher ist nur: 1613 wurden die Spiele zum ersten Mal urkundlich erwähnt. Pilger berichteten von diesem besonderen Schauspiel, das von der Leidensgeschichte Christi erzählte. So begann die bis heute lebendige, offizielle Geschichte der Passionsspiele von Erl.

Erl, der Inn und die Route zum Brennerpass: Ein Ort voller Geschichte

Erls Lage an der alten Handelsroute Richtung Italien brachte nicht nur Wohlstand und Austausch, sondern auch Gefahren. Krankheiten reisten mit den Händlern, Krieg und Konflikt kamen über die Grenze. Doch ebenso kamen Pilger, Gläubige, Händler und Künstler, alle prägten das Leben in diesem kleinen, aber bedeutenden Ort.

Das Passionsspielhaus in Erl inmitten der Berge
Das Passionsspielhaus in Erl inmitten der Berge

Passionsspiele Erl: Gelebte Tradition im Wandel der Zeit

Auch wenn heute die Schrecken von Pest und Krieg weit entfernt scheinen, und immer weniger Menschen an einen zürnenden oder gütigen Gott glauben, halten die Menschen in Erl bei Kufstein unbeirrt an ihrer Tradition fest. Alle sechs Jahre bringen sie ihre Passionsspiele auf die dafür eigens errichtete Bühne.

Die Geschichte vom Leiden und Sterben Jesu Christi ist bekannt. Sein Tod am Kreuz, der Weg dorthin – all das birgt für die meisten Besucher keine Überraschung mehr. Sollte man zumindest meinen. Doch wer glaubt, in Erl gäbe es nichts Neues zu entdecken, der irrt. Regisseur Martin Leutgeb präsentiert die berühmte Geschichte, die jede und jeden auf besondere Weise anspricht und erreicht, neu. Wer war Jesus, dieser Mensch wirklich? Ein Wunderheiler? Ein Rebell? Ein Hoffnungsträger? Die Inszenierung lässt Raum für eigene Gedanken und Fragestellungen. Jede Zuschauerin, jeder Zuschauer – egal ob gläubig oder nicht – kann sich sein eigenes Bild machen.

Besonders berührend sind die zahlreichen Auftritte der jüngsten Passionsspieler:innen. Die Kinder der Aufführung nehmen die Erwachsenen in die Verantwortung. Die kleine Sarah, die sich voller Mut für Jesus Christus einsetzt, wird dabei sinnbildlich zum Symbol unserer Zeit und stellt die eindringliche Frage: Welche Welt hinterlassen wir Erwachsene den nächsten Generationen? Ist diese noch lebenswert?

Spektakuläre Bühne und klanggewaltige Musik

Das Bühnenbild, gestaltet von Hartmut Schörghofer, ist einzigartig: Eine weiße Treppe, die sich diagonal ohne Anfang und Ende über die Bühne erstreckt, steht für den Lebensweg Jesu‘. Ein fragmentierter Berg öffnet und schließt sich als zweites Bühnenelement außerdem je nach Szene. Mittendrin ein 25-köpfiges Orchester, das unter der Leitung von Toni Pfister seine klangvolle Darbietung grandios auf den Punkt bringt.

Komponist Christian Kolonovits hat für die Passionsspiele großartige Musik geschaffen, die an epische Erzählungen erinnert, wie wir sie aus dem Kino kennen. Auch der Chor beeindruckt mit stimmgewaltigen Momenten und es ist kaum zu glauben, dass all das live auf der Bühne passiert.

Gottesdienst im Bühnenbild

Ein sehr besonderes Angebot gibt es an jedem Spielsonntag: Besucherinnen und Besucher können vor der Aufführung der Passion einen Gottesdienst direkt im Bühnenbild erleben. Religiöse Tiefe trifft dabei auf beeindruckende Ästhetik und so wird die Kombination ein spirituelles Erlebnis der besonderen Art.

Warum man sich das gerade in der heutigen Zeit ansehen sollte?

Die Passionsspiele Erl sind sehr viel mehr als Unterhaltung. Sie erzählen von Hoffnung, Liebe und dem Glauben an das Gute – von universellen Gefühlen, die Menschen auf der ganzen Welt verbinden. Außerdem erzählen sie von einer Person, der bereit war, aus freien Stücken für seine Überzeugung zu sterben. Eine Botschaft, die heute aktueller denn je ist und eine, die unter anderem Dank der Passionsspiele in Erl unvergessen bleibt.

Die Zuschauerinnen und Zuschauer werden Teil dieser immer wieder neu erzählten Geschichte – sie werden zu Mitfühlenden, zu Begleiter:innen auf diesem besonderen Weg. Ein wahrer Gänsehaut-Moment ist vor allem die Szene des letzten Abendmahls mit einem halb gesprochenen, halb gesungenen „Vater unser“.

Einzigartige Gemeinschaft

Nirgendwo sonst erlebt man so deutlich den Zusammenhalt einer ganzen Gemeinde. Fast jede Familie in Erl ist an den Passionsspielen beteiligt – als Schauspieler:in, Musiker:in, Helfer:in oder Unterstützer:in. Dieses Gemeinschaftsgefühl überträgt sich auf die Zuschauenden und macht jeden Besuch zu einem besonderen Erlebnis.

Beeindruckend sind überdies auch die farbenprächtigen Kostüme von Juliane Herold: Leuchtendes Gelb für den Hohen Rat, kräftiges Orange für das Volk – so wird die Geschichte visuell greifbar.

Praktische Informationen

Die Passionsspiele Erl werden noch bis 4. Oktober 2025 an zahlreichen Wochenenden aufgeführt. Insgesamt stehen 32 Aufführungen auf dem Programm. Das historische Passionsspielhaus bietet dabei jedes Mal Platz für rund 1.500 Interessierte.

Die große Passion im kleinen Dorf: Das Passionsspielhaus Erl

Zwischen 1956 und 1959 wurde in Erl bei Kufstein das neue Passionsspielhaus errichtet. Eine Münchner Zeitung titelte damals treffend von einer „großen Passion im kleinen Dorf“. Das mag nicht überraschen, denn der Zuschauerraum fasst mit seinen 1.500 Plätzen mehr Menschen, als Erl selbst Einwohner hat – rund 1.450.

Besonders zur Passionsspielzeit zeigt sich die enge Verbindung zwischen Dorf und Bühne eindrucksvoll: Ein Drittel der Bevölkerung steht selbst auf den Brettern, die hier nicht nur die Welt bedeuten, sondern Teil der Dorfgemeinschaft und Identität sind.

Vom Brand zum Neubau: Die Geschichte des Passionsspielhauses Erl

Der Neubau war eine Notwendigkeit, denn das ursprüngliche Passionsspielhaus fiel 1933 einem Brand zum Opfer. Doch die NS-Zeit verhinderte eine schnelle Wiedererrichtung: Die Passionsspiele waren von den Nationalsozialisten verboten. Erst lange nach Ende des Zweiten Weltkriegs wagte man einen Neuanfang.

Bemerkenswert: 26 Jahre lagen zwischen dem Brand und der Einweihung des neuen Hauses – mehr als eine Generation. Für viele Vereine oder Traditionen wäre eine derart lange Pause wohl das Ende gewesen. Nicht aber für die Menschen in Erl.

Hier zeigt sich einmal mehr der Tiroler Eigensinn und der starke Zusammenhalt einer Gemeinschaft, die an ihrer Geschichte festhält und sie zugleich immer wieder neu belebt.

Erl, das Passionsspielhaus und seine Bedeutung bis heute

Das Passionsspielhaus Erl ist heute nicht nur eine Spielstätte für die Passionsspiele. Es ist ein Symbol für den unerschütterlichen Glauben der Erler an ihre Kultur, ihre Tradition und die Kraft des Zusammenhalts.

In Erl beginnt alles mit einer Frage: „Willst du mitspielen?“

Wenn die Vollversammlung des Passionsspielvereins beschließt, dass die Passionsspiele Erl erneut aufgeführt werden, ist der Startschuss gesetzt. In der Regel geschieht das alle sechs Jahre. Mit diesem Beschluss beginnt in Erl eine Phase, die das ganze Dorf betrifft – vom Neugeborenen bis zum Greis. Die Frage lautet stets: „Willst du mitspielen?“

Wer spielt, muss auch Geduld haben – und Haare wachsen lassen

Wer sich für das Mitwirken an den Passionsspielen Erl entscheidet, weiß: Die Aufführung ist kein Wunschkonzert. Die Rollen werden vom Regisseur vergeben, nicht nach Sympathie, sondern nach Eignung, Ausstrahlung und manchmal einfach nach Bedarf der Inszenierung.

Haare und Bärte dürfen wachsen. Ab dem Start der Probenphase bis zum Ende der Aufführungen heißt es für die Mitwirkenden: Keine Friseurbesuche! Ein ganzes Jahr lang werden Haare und Bärte gepflegt, aber nicht gestutzt. Denn Authentizität steht in Erl hoch im Kurs – und ein römischer Legionär mit frischer Rasur wäre einfach undenkbar.

Passionsspiele Erl
Das Kreuz wartet hinter der Bühne

Im November beginnen in Erl traditionell die Proben für die Passionsspiele. Zu dieser Jahreszeit kann es im ungeheizten Passionsspielhaus empfindlich kalt werden. Immerhin: Der Proberaum lässt sich heizen und bietet den Mitwirkenden zumindest eine erste, wenn auch begrenzte, Wärmequelle.

Doch wer glaubt, dass dort bis zur Premiere ausschließlich geprobt wird, der irrt. Wechseln sie auf die große, kalte Bühne, üben sie ihre Szenen nicht selten in dicker Skikleidung. Ob in dicken Daunenjacken, Mützen oder mit wärmenden Thermohosen, der Weg zur authentischen Darstellung führt in Erl auch mal über frostige Umwege. Die Leidenschaft der Erler für ihre Tradition ist jedoch stärker als die Kälte. Hier heißt es: Zähne zusammenbeißen, proben, weitermachen.

Der Schnürboden
Der Blick reicht weit in den unverkleideten Schnürboden.

Freie Sicht auf das Leiden Christi: Die Bühne der Passionsspiele Erl

Von allen Plätzen im Passionsspielhaus Erl genießen die Zuschauer eine uneingeschränkte Sicht auf das gesamte Bühnenbild. Auch der offene, hölzerne Schnürboden bleibt sichtbar – eine ursprünglich geplante Betondecke wurde nie eingebaut. So rahmt das großzügig gestaltete Sichtfeld die Bühne und lässt das Publikum von überall her mitten im Geschehen teilhaben.

Passionsspiele Erl 2025: Ein Erlebnis zum Vormerken

Aktuell finden die nächsten Passionsspiele Erl statt. Wer dieses besondere Schauspiel live erleben möchte, sollte sich rechtzeitig um Tickets und Unterkunft kümmern.

👉 Tickets und Infos: Homepage der Passionsspiele Erl
👉 Unterkünfte in der Nähe bequem buchen: Booking.com – Hotels in Erl und Umgebung

Ein Ritual nach der Dernière: Der Abschied von Bart und Haar

Nach der letzten Vorstellung, der sogenannten Dernière, kehrt für die männlichen Mitwirkenden wieder der Alltag ein – und mit ihm der Friseur. Die während der gesamten Proben- und Spielzeit sorgsam gepflegten Bärte und Haare werden dann traditionell wieder gekürzt. Ein sichtbares Zeichen: Die Passionszeit in Erl ist beendet.

Praktische Informationen zu den Passionsspielen Erl

Wann finden die nächsten Spiele statt?
Die Passionsspiele in Erl finden alle sechs Jahre statt. Die nächste Aufführungsserie ist für 2031 geplant — es lohnt sich, das im Kalender zu notieren und rechtzeitig, wirklich rechtzeitig, die Übernachtung zu buchen: Unterkünfte in Erl.

Anreise
Erl liegt im Tiroler Unterland, nahe Kufstein, direkt an der Inntalautobahn A12. Mit dem Zug fährt man bis Kufstein und von dort weiter mit dem Bus oder Taxi nach Erl. Das Passionsspielhaus ist gut ausgeschildert.

Tickets und Informationen
Tickets und aktuelle Informationen gibt es direkt auf der offiziellen Website der Passionsspiele Erl:
passionsspiele-erl.at

Rund um Erl und in Erl herum

Erl lohnt sich auch zwischen den Passionsspieljahren. Rund um den kleinen Ort am Fuße des Kaisergebirges laden zahlreiche Ausflugsziele und Wanderungen dazu ein, Kultur und Natur miteinander zu verbinden.

Nur wenige Gehminuten vom Passionsspielhaus entfernt liegt die geheimnisvolle Blaue Quelle, das älteste Naturdenkmal Tirols. Das türkis schimmernde Wasser und die schattenspendenden Bäume machen den Ort zu einem beliebten Kraftplatz für eine kleine Auszeit.

Wer gerne wandert, kann von Erl aus auf das Kranzhorn mit seinen zwei Gipfelkreuzen oder auf den Spitzstein aufbrechen. Für Familien bietet sich außerdem der rund 2,3 Kilometer lange Erler Sagenweg an, der in etwa 40 Minuten durch den Ort und zu mehreren Stationen regionaler Geschichten führt.

Das moderne Festspielhaus Erl ist weit mehr als nur Austragungsort der Passionsspiele. Die Tiroler Festspiele bieten jedes Jahr Opernaufführungen, klassische Konzerte, Kammermusik, Klaviertage sowie Sommer- und Winterfestivals mit internationalen Künstlerinnen und Künstlern an.

Passende Wanderführer, Bildbände über Tirol sowie Unterkünfte für einen längeren Aufenthalt in Erl gibt es hier:

“Passion Erl“ von Felix Mitterer

Rother Wanderführer Kaisergebirge/ Kufsteiner Land

Journey through Tirol: Ein Bildband mit stimmungsvollen Aufnahmen

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Wer Tirol weiter entdecken möchte: Hochfilzen ist ein wunderbares Winterziel — schneesicher, familienfreundlich und mit einer bewegenden Geschichte.