Die Bastei – ein Erlebnis in der sächsischen Schweiz.

Es gibt sehr viele Menschen auf unserer Welt. Ob es nun zu viele sind, oder nicht, darüber mag ich nicht urteilen. Ich habe es aber gar nicht gerne, wenn um mich herum viele Menschen sind. Aus diesem Grund meide ich die Fülle der weihnachtlichen Innenstädte ebenso, wie Badestrände, auf die Sonnenhungrigen in Handtuchweite voneinander entfernt liegen und es so dicht gedrängt aussieht, als könnten sie sich – Platzmangels wegen – nur auf Kommando drehen.

Trotzdem gibt es Momente, da bleibt mir nichts anderes übrig, als mich in die Schlange der Wartenden einzureihen, mich in den vollen Bus zu quetschen und den warmen Atem des hinter mir Stehenden im Nacken zu spüren. Am Ziel ausgespuckt, muss ich weiter in der Herde traben, mitlaufen, dicht gedrängt zwischen der Menge aufpassen, dass kein Schirm mich piekt und sich kein fremder Absatz in meinen Fuß bohrt. Der Weg ist schmal, viele wollen ihn gehen. Da bleibt kein Platz für die Freiheit meiner Ellenbogen.

freitag 213

Pirna von oben – vom Biergarten aus gesehen.

freitag 212

Die Vögel haben sich auf dem Kran über der Kirche gemütlich eingerichtet.

Hätte ich nur nicht gefragt, so früh am Morgen, beim Frühstück in der Pension in Pirna. Eigentlich sollte Pirna nur ein Zwischenstopp sein, eine Übernachtung, wir haben Dresden angeguckt und wollten weiter.

Der Abend in Pirna klang in einem Biergarten aus, der sich als ältester Biergarten Deutschlands pries, im Schlossgarten liegt und dem die ganze Stadt geradezu zu Füßen liegt. Insekten schwirrten in der lauen Luft, ich wollte ein Deckelchen fürs Bierglas und fragte nach einem Bierfilz. Die Bedienung fragte: „Was?“ Da mir die wahre sächsische Bezeichnung für den dicken bedruckten Pappdeckel,  der unter das Bierglas gehört, nicht bekannt ist, fragte ich jetzt nach einem Bierdeckel. Daraufhin kramte die junge Frau im Abfalleimer, fischte einen Kronkorken heraus. Nein. Den wollte ich nicht. Ich versuchte, meinen Wunsch genauer zu erklären, fragte sie, ob denn die Brauerei nicht doch eine Packung mit dicken Pappen, bedruckt, so groß, dass künftig eine Steuererklärung darauf Platz…

Irgendwann im Lauf meiner Erklärungen sah sie nachdenklich vor sich hin, bückte sich, kramte eine Weile und holte tatsächlich einen ganzen Stapel Bierfilze unter der Theke hervor, noch eingeschweißt und unbenutzt. Wunderbar.

(Und ein Beitrag zur fränkisch-sächsischen Verständigung. Dabei hätte ich eine Frage an alle Sachsen: Gibt es dafür bei euch ein Extrawort?)

Morgens fragte ich eher höflichkeitshalber die Wirtin, ich meinte, wenn sie schon so nett mit am Tisch saß und mit uns Kaffee trank, dann spricht man ja auch miteinander, unterhält sich ein wenig über das „wo-kommst-du-her“ und „wo-willst-du-hin“, ich fragte also, was es hier gäbe, was ich unbedingt gesehen haben sollte. Nachdem ich Dresden schon gesehen hatte, erwartete ich ehrlich gesagt, nicht viel. Doch da hatte ich mich getäuscht und die Rechnung sprichwörtlich ohne die Wirtin gemacht.

Die Bastei! Müsse! Ich! Angucken! Sie schien entsetzt, dass ich nicht sofort in Entzücken ausbrach, statt dessen mit dem Begriff so gar nichts anfangen konnte. Sie bestand fast kategorisch darauf, dass ich das angucken müsse, erklärte den Weg zum Parkplatz, von dem uns ein Bus bis zum Ziel bringen würde. Ja, wir könnten von dem Parkplatz aus auch laufen, aber das dauere entschieden länger.

Bastei. Die hatte ich wirklich nicht auf dem Schirm. Mea maxima culpa. Erst saßen hier die Raubritter, dann kamen die Romantiker. Und jetzt die Besucher in Scharen.

urlaub im sommer 277

Das ist der eigentliche, der wahre Blick von der Bastei über die Elbe.

Die Bastei. Einfach gesagt: Ein ziemlich großer Felsbrocken in Sachsen, zu dem viele Wege hinaufführen. Waren sie früher nur mühsam begehbar, so dass die Maler maulten ob des beschwerlichen Aufstiegs, wurden sie dank Stufen und Brücken zum relativ bequemen Weg. 1801 und 1804 wurde denjenigen, die auf die Bastei hinauf gelangen wollten, noch geraten, sich einen wegekundigen Führer zu suchen. Der ist jetzt nicht mehr nötig: Die Wege sind ausgebaut und ähneln in ihrer Verkehrsdichte einer Fußgängerzone während der Hauptkampfzeit kurz vor Weihnachten.

urlaub im sommer 297

Immer wieder Aussichtspunkte, an denen ich fotografieren kann. Wenn denn Platz wäre.

Für ein Foto von einem der Aussichtsblicke musste ich warten, bis die vor mir damit fertig waren, und mich beeilen, damit die nach mir kommenden auch ein Foto schießen konnten. An jedem dieser Punkte knubbelten sich die Besucher:

„Können Sie mich mal durchlassen?“

„Ich will auch mal gucken!“.

Ein Junge nörgelte auf der Sandsteinbrücke seinen Vater an: „Ich will aber jetzt ein Eis!“, während sich dieser über die Faulheit seines Sprößlings aufregte, nur weil der keine Lust mehr darauf hatte, die fünf Schritte zum nächsten Aussichtspunkt zu gehen. Die alte Burganlage ist eingesperrt, derart mit dichten Zäunen verbrettert, so dass nichts von außen zu sehen ist. Hier soll für einen 15 Minuten dauernden Rundweg noch einmal extra gezahlt werden. Nö. Ein anderes Mal vielleicht, heute nicht.

urlaub im sommer 326

Der Amselsee.

Je weiter der Malerweg vom Buslandeplatz und den Hauptattraktionen wegführt, desto weniger Menschen gehen ihn. Tatsächlich ist der ganze ausgeschilderte Malerweg 112 Kilometer lang, ein Rundwanderweg, der sich nach historischen Reiseführern und gemalten Ansichten richtet. So weit geht es dieses Mal nicht. Unten angekommen, gab es eine kurze Rast am Amselsee, bevor es wieder nach oben ging. Irgendwie mussten wir ja auch wieder erst zum Bus und dann zum Auto kommen. An manchen Stellen war der Weg eng und steil und immer noch ziemlich beschwerlich. Dafür gab es mittendrin mit der Amselbaude einen Ort zum Rasten. Wer wollte, konnte den Amselwasserfall mit einem Geldstück einschalten.

urlaub im sommer 344

Steil geht es über viele Stufen bergauf. Diese sind neu, weil die alten rechts daneben von Geröll verschüttet wurden.

urlaub im sommer 341

Der Amselwasserfall wird durch den Einwurf eines Geldstückes ausgelöst. Sonst tröpfelt es nur.

 

 

 

 

 

 

 

 

 

 

Irgendwann wurden die Besucherströme wieder dichter, also näherten wir uns wohl wieder dem Ausgangspunkt. Das war auch gut so. Nach den vielen Stufen, erst bergab und dann bergauf, hatten wir uns eine Pause und das Abendessen redlich verdient. Den ganzen Malerweg können wir ja ein anderes Mal gehen. Wenn wir das wollen.

urlaub im sommer 313

Es gab wirklich schöne Aussichten.

 

urlaub im sommer 298

Die Sandsteinbrücke.

urlaub im sommer 303

Gegenüber der Sandsteinbrücke führten Stufen über die Steine.