Eine Postkarte aus: Lindau am Bodensee

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Bodensee: Der Hafen von Lindau

Hier saßen wir – nach der Bootsfahrt über den See einfach herum, am Ufer, hörten, wie die kleinen Wellen plätscherten, sahen, wie die Tauben nach Brotkrumen und was auch immer pickten, guckten, wie die Sonne langsam vom Horizont verschwand. Je dunkler es wurde, desto strahlender leuchteten die Lichter an Leuchtturm, Löwe und Hafen. Bis sich der Hunger meldete und ich mir dachte: Bodensee? Felchen! Da müssen Felchen auf dem Teller sein, nur dann bin ich wirklich am Bodensee. Die Suche in Lindau nach Felchen begann – doch das ist eine andere Geschichte.

Postkarten waren einmal? Nein, Postkarten sind immer noch schön. Früher diente die Post- oder Ansichtskarte dazu, dem Empfänger zu zeigen, wo ich bin, dass es mir gut geht – und dass ich an diejenigen denke, die zu Hause bleiben mussten. Zwar wurden in Zeiten von Mails und Statusmeldungen auf Facebook die Postkarten weniger, trotzdem sind sie wunderbare kleine Textminiaturen.

Deswegen zeige ich hier regelmäßig einmal im Monat eine Postkarte, von einem Ort, an dem ich einmal war. Wer mag, kann sich anschließen, eine Postkarte in seinem Blog mit einem kleinen Text versehen – und hier verlinken. Für diese Reihe habe ich mir den 11. jeden Monats ausgesucht. Wer mitmachen mag, verlinkt seinen Beitrag einfach unten als Kommentar: So finde ich – und andere Postkartengucker – diesen im weltweiten Netz.

Woher weiß ich, wohin meine Reise führt?

Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben, stellte einst Tucholsky fest. Und so war ich bereits als Kind gefesselt von den Berichten ferner Reisen, suchte den Schatz auf der Schatzinsel, erforschte mit Darwin die Galapagos-Inseln und kroch unter die Decke, wenn die Wölfe bei Jack London heulten. Dabei war mir klar, dass ich nie an diese Orte reisen würde, weil sie zwar Orte meiner phantasierten Sehnsucht waren, doch keine realen Städte oder Gegenden.

Aber ich las auch Geschichten und Reiseberichte, die mich an diese Orte führten, von denen diese erzählten, auch wenn die berichteten Zeiten längst Vergangenheit waren: Wegen der Geschichten reiste ich nach Tabor, einer kleinen Stadt in Böhmen, einst von Hussiten gegründet, nachdem Jan Hus in Konstanz verbrannt worden war. Ob Erzählung, Roman oder Reisebericht: Es gibt Literatur, die meine Sehnsucht nach einem bestimmten Ziel weckt, auch wenn ich weiß, dass ich diesen Ort in Wirklichkeit nie erreichen werde.

ft 212Manchmal fahre ich einfach so los, ohne mich zu informieren: So wie bei einer Tour durch Böhmen, die ich mit einer Freundin zusammen unternahm. Wir trödelten, fuhren, guckten, mäanderten, so ganz ohne Navi, sahen wir einen vielversprechenden Ort, der uns interessant schien, dann hielten wir an, liefen herum, aßen dort, redeten mit den Menschen, wenn es ging und suchten eine Übernachtungsmöglichkeit. Eine ähnliche Tour unternahm ich vor anderthalb Jahren mit dem Lieblingsmann: Als wir auf einer böhmischen Landstraße fuhren, weckte ein Ortsschild bei ihm Erinnerungen, wir hielten an, aßen dort in einer Gastwirtschaft, fragten die Wirtin nach einer Übernachtung, sie rief einen Lehrer an, bei dem wir schlafen konnten und der ein wenig deutsch sprach. Wir gingen durch das Dorf: Aus diesem Ort kamen viele Flüchtlinge nach dem Krieg nach Bayern, in den Ort, in dem der Lieblingsmann aufwuchs. Nur wenige durften bleiben.

Gepäck ElisabethpfadOft bin ich so unterwegs. Wichtiger als das Ziel, die Sehenswürdigkeit, der Ort an sich, á la: „Jetzt war ich dort und kann das abhaken“ sind mir die Begebenheiten am Rande, die das Unterwegs-Sein so spannend und einzigartig machen. Als ich auf dem Elisabethpfad von Eisenach bis Marburg lief, hatte ich lediglich einen Zettel bei mir, auf dem die Namen der Dörfer standen, durch die der Weg führen sollte. Als Elisabeth damals vor 800 Jahren zwischen diesen beiden Orten unterwegs war, noch dazu mit ihrem kleinen Kind, hatte sie ja auch weder Taschentelefon, noch Reiseführer.

Ja, ab und an lese ich auch richtige gedruckte Reiseführer. In diesen kann ich mich informieren, kann Zahlen und Fakten nachlesen. Oft lese ich sie allerdings erst nach der Reise. Zugegeben: Wenn ich so scheinbar planlos reise, dann fahre ich nicht sehr weit weg. Reise ich in weitere Ferne, bin ich gerne in einer Reisegruppe unterwegs, auch wenn ich eigentlich kein Herdentier bin. Aber so brauche ich nicht selbst zu planen und bekomme praktischerweise alles gezeigt und erklärt. Ziehe ich dagegen auf eigene Faust los, warten die Entdeckungen immer dann, wenn ich vom Weg abweiche, die Nebenstraße wähle, auch wenn ich nicht weiß, was hinter der nächsten Kurve liegt.

IMG_4927_1_1Der eigentliche Reiz des Reisens, meines Reisens, sind Begegnungen. Für diese brauche ich manchmal nur um die Ecke zu gehen und bin gleich weiter von meinem Alltag entfernt, als es je am anderen Ende der Welt sein könnte. Dafür muss ich nur Augen und Ohren aufsperren und neugierig sein. Ein Reiseführer dagegen zeigt mir dagegen nur das, was schon andere gesehen haben. Aus diesem Grund lese ich zwar gerne Reiseerzählungen, Reisereportagen und andere Geschichten, doch ich plane meine Reisen nur wenig mit einem Reiseführer, ob analog oder digital.

Das ist mein Beitrag zur Blogparade: Deine wichtigsten Informationsquellen für Reisende

Reisen, schreiben – und fotografieren

Franz Grillparzer: „Monde und Jahre vergehen, aber ein schöner Moment leuchtet das ganze Leben hindurch.“

Ich bin gerne unterwegs, ob richtig auf Reisen oder auf Streifzügen in meiner näheren und ferneren Umgebung. Eine Kamera ist immer dabei. Zunächst eine analoge Spiegelreflex, dann die kleine Leica mini zoom, dann eine Canon Powershot, eine Canon 350D, jetzt eine Canon 30D. Mit dem Tamron 18-270 mm bin ich für die meisten Fälle gut gerüstet, der Blitz ist immer dabei, das Teleobjektiv und das Stativ eher selten. Für mich ist die Ausrüstung nicht ganz so wichtig. Wer hier einen großen Schwanz- Kameravergleich erwartet, wird jetzt wahrscheinlich eher enttäuscht sein.

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Aufmerksam den Tag genießen und die Stimmung wirken lassen.

Das wichtigste auf meinen Reisen bin ich selbst: Ich nehme Dinge wahr, die anders sind, als ich sie von zu Hause gewohnt bin. Manchmal mäandern die Gedanken im Kopf, dann werden sie im Notizbuch festgehalten. Überhaupt sind für mich meine Notizen auf Reisen oft noch wichtiger, als die Bilder. Hielt ich zunächst eher fest, wann ich wo war und was es dort alles zu sehen gab, werden die Geschichten inzwischen assoziativer. Fakten kann ich auch noch nachlesen, wenn ich wieder zu Hause bin. Statt dessen lasse ich mich in die Atmosphäre fallen, rieche, höre, schmecke, fühle und sehe, was es alles an Eindrücken gibt. Dabei mache ich auch noch Bilder, klar. Aber diese sehe ich eher als Illustration, als fotografisches Notizbuch.

Da ich seit Jahren für Zeitungen Bilder mache, sehe ich ziemlich schnell, ob sich eine Aufnahme lohnt – oder nicht. Die ewig gleichen perfekten Bilder von menschenleeren supertollen Gegenden finde ich manchmal ziemlich langweilig. Ich versuche – wenn es geht – meine Fotos mit Menschen zu beleben. Das heißt oft, ich muss schnell sein, weil sich Situationen schnell ändern. Sitzt eine Taube auf dem Kopf des Brückenheiligen und guckt ihn kritisch an, wartet sie nicht, bis ich endlich meine Ausrüstung ordentlich parat habe. Meistens halte ich die Kamera griffbereit und angeschaltet. Ein Objektivwechsel würde meistens viel zu lange dauern.

Zwar habe ich ein Teleobjektiv, doch ich nutze es nur sehr selten. Als ich anfing, für Zeitungen zu fotografieren, sagte einer der dortigen Fotografen: Ein Tele ist keine Gehhilfe: Wenn Du denkst, dass Du zu dicht dran bist, dann bist du genau richtig. Diese Maxime beherzige ich, so oft es geht.

Ich bearbeite meine Bilder nur selten. Dafür fehlt mir einfach die Zeit. Ich lösche alles, was nichts geworden ist und meinem Blick nicht genügt, der Rest bleibt im Prinzip so, wie er ist. Vielleicht helle ich eine dunkle Stelle mal etwas auf, das war es aber schon fast. Wenn ich unterwegs blogge, veröffentliche ich die Bilder gleich im Blog. Dafür werden sie einfach klein gerechnet, so dass die Ladezeit des Blogs nicht zu lange dauert.

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Das Leben bietet den Rahmen für jedes Bild, das ich mir wünsche.

Großartig gesichert werden die Bilder bei mir ebenfalls nicht. Da ich meine Notizen mit der Hand aufs Papier schreibe, würden die Erinnerungen ohnehin bleiben. Überhaupt: Als ich noch mit einer analogen Spiegelreflex auf Korsika unterwegs war, war keiner der Filme hinterher brauchbar, weil die Kamera die Filme nicht ordnungsgemäß transportiert hatte. So what. Das ist das Leben. Oft denke ich, wenn ich sehe, wie Eltern ihre Kinder nur durch den Sucher der Kamera sehen: Mensch, geht zu ihnen, erlebt mit ihnen den ersten Schultag oder den Geburtstag, aber legt einfach dafür mal dieses blöde Gerät zur Seite.

Das ist ein Beitrag für die Blogparade bei reisen-fotografie, das Bild für den Wettbewerb suche ich demnächst noch heraus.