Franken ist (m)ein Paradies

Nachdem Gott die Menschen aus seinem Paradies vertrieben hatte, blieb ihnen nur die Sehnsucht, eine Sehnsucht nach dem Land, das ihnen verboten blieb. Seit dieser Zeit suchen die Menschen einen Ersatz für eben dieses Paradies, reisen rund um die Welt und hoffen inniglich, dass sie wenigstens für eine kurze Zeit dorthin zurückkehren können.

Ich fand das Glück in Franken, bin jetzt schon fast zwei Jahre hier zu Hause und entdecke immer mehr von der wunderbaren Gegend um mich herum. Kletterfelsen, Höhlen, Karpfenweiher, Dörfer, pittoreske Städtchen und urbanes Leben – alles ist da.

In manchen Ortsnamen klingt bereits die Schönheit als Grundton mit: Wer durch den Gottesgarten wandert oder im Paradiestal unterwegs ist, bekommt eine kleine Ahnung davon, was den Menschen einst verloren ging.

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Kapelle auf dem Staffelberg

Steige ich in Franken auf einen Berg, kann ich auf vielen Gipfeln eine Kapelle besuchen, wie auf den Hochplateaus von Staffelberg und Ehrenbürg: Vor mehr als 2000 Jahren standen hier oben keltische Städte. Die Kelten waren in Franken zu Hause, bis die Germanen aus dem Norden und die Römer vom Süden kamen. Dann packten sie ihre Siebensachen zusammen, und zogen weg. Bis heute weiß niemand, wohin. Vor der Erschließung eines Baugebietes in Hallerndorf gruben die Archäologen im Boden, fanden dunkle Stellen, in denen Pfähle der Häuser standen, sammelten Scherben ein und rekonstruieren später aus den Funden die keltische Siedlung.

walberla

Das Walberla

Aber eigentlich ist es egal, wo ich in Franken unterwegs bin: Spannend und schön ist es überall:

Bamberg

Das Rathaus in Bamberg

Da gibt es das 1000-jährige Bamberg, Weltkulturerbe, im Dom die Grabstätten von Kaiser Heinrich und seiner Kunigunde, den Bamberger Reiter, die Altenburg hoch über der Stadt und die quirlige Altstadt mit Klein Venedig, ein Rathaus, von den Bürgern mitten im Fluss gebaut, weil an dieser Stelle die Domherren nichts zu sagen hatten.

Nürnberg

Nürnberg: Reichsparteitagsgelände

Es gibt Nürnberg, mit Stadtmauer, Burg und dem Wohnhaus von Albrecht Dürer, aber auch das Reichsparteitagsgelände.

sanspareil

Sanspareil

In Bayreuth gibt es außer den Festspielen die Eremitage, den Park Sanspareil, das Wacholdertal und die Villa Wahnfried, dort lebte neben Wagner auch Jean Paul.

Rothenburg ob der Tauber

Rothenburg ob der Tauber

Von Rothenburg ob der Tauber sind nicht nur die Japaner begeistert. Als ich dort im vergangenen Jahr zum ersten Mal den dortigen Weihnachtsmarkt besuchte, war ich ebenfalls hin und weg: Hier ist nicht ein solches Gedränge, wie auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt, hier wird die ganze Innenstadt zu einem romantischen Markt.

Franken

Felsen in der Fränkischen Schweiz – Paradiestal

Von den Felsen in der fränkischen Schweiz schwärmten schon die Romantiker, in den Tälern lässt es sich wunderbar wandern.

storchenlehrpfad

Störche im Aischgrund

Im Aischgrund reiht sich ein Karpfenweiher an den nächsten, immerhin gibt es gut 2000 davon. Paniert liegen die halbierten Fische später auf den Tellern, die von den Wirten serviert werden – und schmecken wunderbar. Jedes Frühjahr kommen Störche, brüten, ziehen ihre Jungen auf und fliegen wieder davon.

Bamberg

Bierkeller in Bamberg

Bierkeller, Zoigl- und Heckenwirtschaften: In Franken wird in vielen kleinen Brauereien Bier gebraut und am Main entlang gibt es Wein. Es gibt die Bamberger Hörnle, die sauren Zipfel und Schäufele.

Ich merke, dass ich aus dem Schwärmen nicht mehr herauskomme. Wie gut war es, dass ich der Liebe wegen nach Oberfranken zog: So habe ich das Glück, dass ich dort wohne, wo ein kleines Paradies auf Erden ist.

Kreuzberg

Immer wieder schön: Biergarten auf dem Kreuzberg

Wer Franken bereisen möchte, kann mich gerne besuchen: Vielleicht ziehen wir ja zusammen los und entdecken einen Zipfel der Glückseligkeit?

Verbunden mit: Daily prompt

Im Püttlachtal unterwegs

Püttlachtal

Aus Pottenstein heraus

Wenn alles blüht und grünt, ist das Püttlachtal sanft und farbig: Auf den grünen Wiesen blüht gelber Löwenzahn und Butterblume, an den Wegrändern im Wald tupft die Waldfrühlingserve kleine rosa und lila Punkte in das Waldbraun. Aus Pottenstein heraus führt der Weg an der munteren Püttlach entlang, die so klar ist, dass in ihr Forellen schwimmen, die eine erstaunliche Größe erreichen können. Wer auf der Brücke steht und sie sehen will, braucht nur ein paar kleine Bröckchen ins Wasser zu krümeln, schon kommen sie und jede versucht, die schnellste zu sein und das Futter zu ergattern. Manchmal sind allerdings die Enten schneller.

Püttlachtal

An der Püttlach entlang

Es lohnt sich übrigens, langsam zu gehen. Dann lässt sich die Wasseramsel entdecken, die knapp über der Püttlach unterwegs ist.

An ihrem großen, weißen Kehlfleck ist sie gut zu erkennen. Sie kann schwimmen und tauchen und baut ihr Nest irgendwo am Ufer der Püttlach.

Püttlachtal

An der Püttlach entlang

Es gibt imposante Felsen und an manchen Stellen ist der Weg so schmal, dass Fußgänger hintereinander gehen müssen.

 

 

 

Quer über den Weg ragen die Baumwurzeln aus der Erde heraus und bilden ein holperiges Muster. Sie wollen einfach ein bisschen Aufmerksamkeit, bekommen sie diese nicht, lassen sie den Wanderer einfach stolpern.

Im Püttlachtal

Ein Wegkreuz

Irgendwann wird der Weg und das Tal breiter und zunächst bequemer, bevor es wieder steiler hinaufgeht. Dafür gibt es aber oben in Hollenstein eine Belohnung: Sonn- und Feiertags wird hier bewirtschaftet. So braucht der hungrige Wanderer nicht ganz so schnell ins Tal zurück, weil ihn der Hunger plagt und er vergessen hat, den Proviant einzupacken.

Obwohl: Wer die Verpflegung im Rucksack bei sich trägt, findet unterwegs wunderschöne Picknickplätze.

Im Püttlachtal

Kurz vor Hollenstein

Kurz vor Hollenstein wird es noch einmal schmal und eng. Drei Stufen führen hinauf, dann ist es geschafft.

So schmal die Wege im Püttlachtal sind, trotzdem fahren Mountainbiker auf ihnen. Das nervt manchmal ganz schön: Jedesmal, wenn einer kommt, muss nämlich der Fußgänger irgendwohin, an den Rand, Platz machen, damit der Biker vorbei kann. Ist der Weg breiter, ist das kein Problem. Leider ist der Weg an vielen Stellen nicht so breit. Und nicht alle, die mit einem solchen Sportgerät auf zwei Rädern unterwegs sind, können dieses unfallfrei und sicher handhaben. Nach ihrer Rast oben auf dem Hollenstein fuhren zwei gut ausgerüstete Biker los, so cool, dass der Helm hinten am Rucksack baumelte, statt den Schädel zu schützen. Die drei Stufen an dieser Engstelle wurden denn auch zum Verhängnis, der Radfahrer stürzte, berappelte sich, fuhr dennoch weiter.

Im Püttlachtal

Eine Blindschleiche

Wie ein übergroßer Regenwurm sieht die kleine Blindschleiche aus, die sich fix über den Schotterweg schlängelt. Wer aufmerksam durchs Tal wandert, kann viel entdecken.

Im Püttlachtal

Bunte Blumenwiese im Püttlachtal

Das Püttlachtal

Zurück in Pottenstein

Sonntagsspaziergang: Durchs Trubachtal bis Hohenschwärz

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Das Trubachtal. Oben grüßt Burg Egloffstein.

Es ist Frühling und die Sonne scheint warm: Da blühen die Obstbäume in der Fränkischen Schweiz: Was liegt also näher als ein Ausflug, dorthin, wo die Kirschen wohnen. Wir fahren bis Mostviel und suchen einen Parkplatz. Das ist nicht ganz einfach, da der einzige Platz zur Gastwirtschaft gehört und nur für deren Gäste sein soll. Alle anderen werden kostenpflichtig abgeschleppt, droht das Schild. Doch am Straßenrand findet sich noch ein kleines Plätzchen.

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Das Trubachtal zwischen Mostviel und Egloffstein.

Ein geschotterter Weg führt am plätschernden Bächlein entlang. Der Kies knirscht unter den Schuhsohlen, ein schmaler Trampelpfad rechts zeigt, dass viele Menschen den mit Steinchen bestreuten Pfad meiden und lieber auf dem weichen Wiesengras laufen. Die Hunde sollen angeleint sein, steht auf dem Schild. Doch einer kommt uns entgegen und ist es nicht. Prompt läuft er ins Feld und hockt sich in unzweideutiger Absicht hin.

 

 

In Egloffstein fotografiert eine Frau mit grauem Pferdeschwanz die Burg mit ihrem Tablet, studiert die Wandertafel, auf der die Wege an der Trubach und am Affalterbach gezeichnet sind. Sie will wissen, welches jetzt die Trubach ist und wo sie lang gehen muss, sagt: „Das ist alles sehr verwirrend“, schüttelt den Kopf und geht in Richtung Mostviel. Hier ist wieder Straße, Motorräder dröhnen, Autos fahren in einer solchen Anzahl, als sei Hauptverkehrszeit. Ist es ja auch: Sonntagsnachmittagsausflugsverkehr. Nur drei Kilometer bis Hohenschwärz verspricht der Wegweiser. Na, das ist doch ein Wort. Bis dahin schaffen wir es ganz lässig, trinken oben ein Hohenschwärzer Bier und wandern zurück zum Auto.

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Auf dem Weg von Egloffstein nach Hohenschwärz

Unten links fließt die Trubach, rechts vom Weg und auf dem Foto kaum zu sehen, plätschert ein Bächlein, mit dem früher die Bauern die Felder bewässerten. Ein richtiges Lustwandeln in der lauen Frühlingsluft. Hummeln summen taumelnd von Blüte zu Blüte. Immer wieder kommen uns Wanderer entgegen, manche mit Hund, andere mit Kinderwagen, wieder andere mit Wandergepäck und Isomatte. Ob die unterwegs übernachten wollen?

Sonntagsspaziergang 041

Die Trubach von Egloffstein in Richtung Hohenschwärz.

Irgendwann biegen wir nach links, in den Wald. Hier duftet es nach Harz und die dunklen Tannen haben sich grüne Moossocken angezogen.

Sonntagsspaziergang 048

Der Wanderweg nach Hohenschwärz.

Ein mit Betonsteinen gepflasterter Waldweg führt dann bis nach Hohenschwärz. Das Bier ist eher süßlich – und schmeckt mir deswegen ganz gut. Falls wir noch einmal hierher wandern, nehmen wir unsere Brotzeit allerdings lieber mit: Die Autokennzeichen verraten, dass in der Wirtschaft mehr Touristen als Einheimische einkehren. Gibt es dagegen Stammpublikum, beschwert sich dieses durchaus beim Wirt, wenn die Qualität des Essens nachlässt.

Sonntagsspaziergang 055

In Hohenschwärz, kurz vor der Einkehr.

 

Sonntagsspaziergang 049

Hohenschwärz.

Bis zur Kirschenblüte dauert es nur noch wenige Tage. Wer sich beeilt, kann die ganze Pracht noch genießen. Der Rückweg von Hohenschwärz geht fast nur noch bergab und wird somit schneller bewältigt, logisch.

Die Wehrkirche in Effeltrich: If I was a tourist

Was haben die Menschen im Mittelalter gemacht, wenn ihr Dorf den Streitigkeiten der Herren um Religion und Macht im Wege stand und ihr Vieh mal eben zur Verpflegung der Truppen geräubert wurde? So viel Geld, dass sie sich eine Mauer um den ganzen Ort leisten konnten, hatten sie nicht. Also bauten sie eine Mauer mit Wehrgang und Schießscharten um ihre Kirche und den Friedhof: So war genug Platz für Mensch und Vieh, während die Angreifer draußen bleiben mussten.

Wehrkirche Effeltrich

Wehrkirche Effeltrich

Die Mauer umschließt immer noch die Kirche und den alten Friedhof, ein viereckiger und drei runde Türme wachen wie früher über das Land. Von dem zweiten viereckigen Turm gibt es nur noch den unteren Teil, der inzwischen als Leichenhaus dient.

Wehrkirche Effeltrich

Wehrkirche Effeltrich

Wehrkirche Effeltrich

Wehrkirche Effeltrich

Durch das Tor trieben einst die Bauern ihr Vieh, wenn Feinde nahten – und wehrten sie von oben herab ab. Reste der Stufen, die einst auf den Wehrgang führten, sind noch vorhanden. Ein Schild warnt davor, diese zu betreten.

Wehrkirche Effeltrich

Wehrkirche Effeltrich

Der Heilige Georg, Schutzpatron der Bauern und Pferde war ihr Beschützer vor Kriegsgefahren. Hier wohnt er in einer hübsch geschmückten Nische über dem Portal. Am Ostermontag führen junge Männer in der Effeltricher Tracht die Figur beim Georgiritt mit sich.

Wehrkirche Effeltrich

Wehrkirche Effeltrich

Vor der Kirche steht ein weiterer Georg – und in der Kirche lassen sich ebenfalls noch einige Abbildungen des heiligen Drachentöters entdecken und bewundern. Vielleicht dachten ja die Menschen, je mehr Statuen und Bilder vom Heiligen Georg sie aufstellen, desto besser wird er ihnen helfen. Die Legende, dass Georg den Drachen, also das Böse, besiegt habe, entstand allerdings erst zu der Zeit, als die Kreuzritter in den Orient zogen, um dort das Heilige Land zu befreien (und vor allen Dingen reich zu werden). Mitten im Ort, umtost vom Verkehr auf der auch Sonntags vielbefahrenen Straße, ist noch heute der von Mauern umgebene Kirchhof ein Ort, an dem eine Ruhe herrscht, die nicht von dieser Welt zu sein scheint.

Wehrkirche Effeltrich

Wehrkirche Effeltrich

Tanzlinde in Effeltrich

Tanzlinde in Effeltrich

Vor der Kirche steht eine große Tanzlinde, die schweren und weit ausladenden Äste von einer Holzbalkenkonstruktion gestützt. Der Stamm ist rissig und tief gefurcht, ebenso die dicken Äste. Auf 1000 Jahre schätzen Fachleute das Alter der Linde, sie ist somit deutlich älter als die Kirche und hat vieles gesehen. Schade, dass sie nichts davon erzählen kann.

Das ist ein Beitrag für das Projekt von Dschungelpinguin: If I was a tourist.