Die Wehrkirche in Effeltrich: If I was a tourist

Was haben die Menschen im Mittelalter gemacht, wenn ihr Dorf den Streitigkeiten der Herren um Religion und Macht im Wege stand und ihr Vieh mal eben zur Verpflegung der Truppen geräubert wurde? So viel Geld, dass sie sich eine Mauer um den ganzen Ort leisten konnten, hatten sie nicht. Also bauten sie eine Mauer mit Wehrgang und Schießscharten um ihre Kirche und den Friedhof: So war genug Platz für Mensch und Vieh, während die Angreifer draußen bleiben mussten.

Wehrkirche Effeltrich

Wehrkirche Effeltrich

Die Mauer umschließt immer noch die Kirche und den alten Friedhof, ein viereckiger und drei runde Türme wachen wie früher über das Land. Von dem zweiten viereckigen Turm gibt es nur noch den unteren Teil, der inzwischen als Leichenhaus dient.

Wehrkirche Effeltrich

Wehrkirche Effeltrich

Wehrkirche Effeltrich

Wehrkirche Effeltrich

Durch das Tor trieben einst die Bauern ihr Vieh, wenn Feinde nahten – und wehrten sie von oben herab ab. Reste der Stufen, die einst auf den Wehrgang führten, sind noch vorhanden. Ein Schild warnt davor, diese zu betreten.

Wehrkirche Effeltrich

Wehrkirche Effeltrich

Der Heilige Georg, Schutzpatron der Bauern und Pferde war ihr Beschützer vor Kriegsgefahren. Hier wohnt er in einer hübsch geschmückten Nische über dem Portal. Am Ostermontag führen junge Männer in der Effeltricher Tracht die Figur beim Georgiritt mit sich.

Wehrkirche Effeltrich

Wehrkirche Effeltrich

Vor der Kirche steht ein weiterer Georg – und in der Kirche lassen sich ebenfalls noch einige Abbildungen des heiligen Drachentöters entdecken und bewundern. Vielleicht dachten ja die Menschen, je mehr Statuen und Bilder vom Heiligen Georg sie aufstellen, desto besser wird er ihnen helfen. Die Legende, dass Georg den Drachen, also das Böse, besiegt habe, entstand allerdings erst zu der Zeit, als die Kreuzritter in den Orient zogen, um dort das Heilige Land zu befreien (und vor allen Dingen reich zu werden). Mitten im Ort, umtost vom Verkehr auf der auch Sonntags vielbefahrenen Straße, ist noch heute der von Mauern umgebene Kirchhof ein Ort, an dem eine Ruhe herrscht, die nicht von dieser Welt zu sein scheint.

Wehrkirche Effeltrich

Wehrkirche Effeltrich

Tanzlinde in Effeltrich

Tanzlinde in Effeltrich

Vor der Kirche steht eine große Tanzlinde, die schweren und weit ausladenden Äste von einer Holzbalkenkonstruktion gestützt. Der Stamm ist rissig und tief gefurcht, ebenso die dicken Äste. Auf 1000 Jahre schätzen Fachleute das Alter der Linde, sie ist somit deutlich älter als die Kirche und hat vieles gesehen. Schade, dass sie nichts davon erzählen kann.

Das ist ein Beitrag für das Projekt von Dschungelpinguin: If I was a tourist. 

 

 

 

Sonntagsspaziergang: Kirche in Poppendorf und Karpfenweiher

Poppendorf ist ein Ortsteil von Heroldsbach, dem Ort, in dem wir wohnen. Am Rand des kleinen Dörfchens liegt die kleine Kirche zwischen den Wiesen. Das ist relativ ungewöhnlich, da Kirchen im Allgemeinen mitten im Ort gebaut werden, oder anders gesagt: Die Häuser wurden früher rund um die Kirchen errichtet. So standen die Kirchen dann automatisch irgendwann mittendrin, gerne auf einer Anhöhe, so dass sie von allen Seiten gut zu sehen waren. Überhaupt überragten die Kirchen früher alle Häuser, bewiesen damit ihre Größe und Macht. Heute dagegen sind andere Gebäude größer.

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Die Kirche St. Georg in Poppendorf, Ortsteil von Heroldsbach in Oberfranken

Die kleine Kirche am Ortsrand von Poppendorf ist mehr als 700 Jahre alt, sagt die Chronik. Der Turm ist ein kleines bisschen jünger. Es gab wohl sogar einen Vorgängerbau, errichtet auf einer germanischen Kultstätte. Gewidmet ist die Kirche dem heiligen Georg, dem Drachentöter.

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Ein Weiher in der Nähe von Poppendorf, Oberfranken

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Die Kirche St. Georg in Poppendorf, Ortsteil von Heroldsbach in Oberfranken in der Dämmerung

Gegenüber der Kirche parken wir das Auto am Beginn eines Feldweges, der zwischen den Weihern entlangführt. Links steht eine einsame Scheune: Hier war früher ebenfalls einmal ein Dorf. Bis in die 50er Jahre sollen noch Häuserreste gestanden haben. Jetzt ist hier nichts, außer der Scheune, Weihern, Obstbäumen und unter diesen Bienenkästen. Wir gehen, während der erste Schnee in diesem Winter unter unseren Schuhen knirscht und die Sonne langsam sinkt. Der Wald scheint schwarz und undurchdringlich, während die Laternen am Ortsrand runde Kreise von rötlich-warmen Licht malen.