Das Gepäck

Gepäck ElisabethpfadDer Schlafsack brauchte den meisten Platz im Pilgerrucksack. Da blieb nicht mehr viel übrig für Anziehsachen. Also mussten Shirts, Socken und Unterwäsche zum Wechseln, dazu noch eine kurze Hose und die Regenjacke reichen, um von Eisenach bis Marburg zu kommen. Vorsichtigerweise stopfte ich die lange Skiunterwäsche noch in die letzten Ritzen. Das hätte ich auch lassen können. Zwar war es morgens noch kalt und das Gras bereift, so dass es unter den Stiefelsohlen knisterte, doch ich habe glatt unterschätzt, wie warm mir beim Wandern werden würde. Selbst wenn ich im warmen Pullover losmarschierte – spätestens nach einer halben Stunde zog ich ihn wieder aus und stopfte ihn zurück in den Rucksack.

Zwar war der Rucksack wirklich nicht klein, doch mehr passte einfach nicht hinein. In die Seitentaschen kam noch Pflaster, das Waschzeug, ein kleines Handtuch und etwas Proviant. Weil der Weg über lange Strecken durch kleine Dörfer führt, in denen es oft weder Gaststätte noch Einkaufsmöglichkeit gibt, ist es quasi zum Überleben notwendig, dass etwas zu Essen im Gepäck ist: Vom Bauern habe ich mir zwei lange, an der Luft getrocknete Würste geholt. Die sind lange haltbar, auch ohne Kühlschrank. Sie müssen nur luftig verpackt werden, damit sie nicht alles einfetten und werden höchstens härter und noch trockener. Dazu habe ich ein Molkebrot aus dem Reformhaus in den Rucksack gepackt, das auch nach drei Tagen noch schmeckt. Zwei große Käsestücke, eine Tüte mit Äpfeln und eine Packung mit Müsliriegeln. Das war alles.

Außerdem habe ich noch einen Beutel mitgenommen, weil ich darin meine Wasserflasche und meine Kamera griffbereit packen konnte. Ich wollte nicht jedes Mal den Rucksack ablegen und darin kramen, wenn ich ein Foto machen wollte.

Die Schlafmatte kam als Rolle vor den Rucksack, rechts und links baumelten meine Sandalen. Nur für alle Fälle. Allerdings hätten die wirklich zu Hause bleiben können. Denn nach dem Tag, an dem ich in den Sandalen unterwegs war, weil es so warm war, jammerten meine Füße gewaltig.

Als ich den Rucksack das erste Mal auf die Schultern nahm, kam er mir doch ganz schön schwer vor und der Blick auf die Waage verriet: Zwölf Kilo Gewicht. Das soll ich alles tragen? Uff.

Nach dem ersten Tag maulten denn auch die Schultern gewaltig. Glücklicherweise gewöhnten sie sich an das Gewicht und schmerzten nicht mehr. Nur am linken Arm gab es vom Ablegen des Rucksackes blaue Flecke. Die blieben die ganzen Tage lang, weil sie jeden Tag wieder erneuert wurden.

 

Auf dem Bild: die Kirche von Wasmuthshausen – einer meiner Irrwege. Links am Bildrand: mein Gepäck …

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