Nürnberg: Frühstücksrunde um den Dutzendteich

Das Frühstück unterwegs zu essen, ist immer etwas Besonderes und erinnert mich an die Kinderzeit, als wir einfach unterwegs die belegten Brote auspacken und essen konnten, wenn wir hungrig waren. Damals gab es noch nicht an jeder Ecke einen Bäcker oder eine Bude, in der wir einfach etwas hätten kaufen können. Außerdem: Warum soll ich mir etwas unterwegs kaufen? In der Küche warten schließlich genügend leckere Dinge darauf, dass sie gegessen werden. Weil ich jetzt groß bin, belege ich mir mein Brot selber, das heißt, dort kommt nichts drauf, was gegessen werden muss, weil es sonst schlecht wird, sondern es kommt das drauf, was ich gerne esse.
Ziemlich schnell sind genügend belegte Brote, Tomaten aus dem Garten und noch ein paar Pfirsiche im Korb versammelt. In der Zwischenzeit kochen die Eier, die ja nur ein paar Minuten brauchen, bis sie nicht ganz hart sind. Noch eine Flasche Wasser, Apfelsaft und zwei Becher. Fertig.

Rund um den Dutzendteich in Nürnberg
Um den kleinen Dutzendteich herum stehen genügend Bänke, auf einer nehmen wir Platz, mit Blick auf den kleinen Teich, der neben dem Dutzendteich liegt. Ab und an, aber eher selten, trabt ein Jogger vorbei, mit verstöpselten Ohren zumeist und den Blick gerade auf den Weg gerichtet. Auch Radfahrer kommen gelegentlich vorbei. Es ist viel ruhiger hier, als ich eigentlich gedacht habe. Immerhin ist hier Nürnberg, hier wohnen fast eine halbe Million Menschen, da hätte ich durchaus erwartet, dass hier mehr los ist. Aber vielleicht rennen ja alle zu einer anderen Zeit hier um die Teiche und sind jetzt an der Arbeit, wer weiß.
Ich beiße mich durch das Käsebrot, während das Blesshuhn nach seinen Jungen ruft. Das klingt so ähnlich, wie die Hupe von einem sehr alten Auto. Ich weiß nicht, ob hier das Füttern von Schwänen und Blesshühnern erlaubt ist, vermutlich nicht. Trotzdem beiße ich kleine Stückchen von der Brotrinde ab und werfe sie ans Ufer. Das Blesshühnchen kommt. Es traut sich aus dem Wasser heraus, kommt bis an den Weg um den Krümel in den Schnabel zu nehmen, und flitzt zurück zum Teich. Hier tunkt es das Bröckchen ein und bringt es einem der fiependen Jungvögel.

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Das Blesshuhn mit seinen witzigen Füßen

Dabei fällt mir auf, was für seltsame Füße das Blesshuhn hat: Die sehen gar nicht aus, wie watschelnde Entenfüße, sondern erinnern mich an Tang. Demnach habe ich also bisher nur Blesshühner im Wasser erlebt. Bei denen sind ja die Füße nicht zu sehen.

 

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Der Schwan wagt sich nicht aus dem Wasser.

Der junge Schwan dagegen bleibt im Teich, guckt wie ein trauriger Teddybär, aber er wagt sich nicht aus dem Wasser heraus.

 

 

 

 

Nebenher lässt sich ausgiebig gucken: Während ich mich darüber freue, wie das Blesshühnchen die Brotrinde ins Wasser tunkt, um damit ein Kind zu füttern, beobachtet der Lieblingsmann, wie ein Kormoran auf dem kahlen Baum seine Flügel zum Trocknen aufgespannt hat. Eigentlich wartet er darauf, dass sich dieser endlich einmal bewegt oder zeigt, wie er startet, deswegen kommentiert er begeistert: »Er hat gekackt!« als der Kormoran ein erstes Lebenszeichen von sich gibt.

Die Große Straße 

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Gummispuren auf Granitplatten

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Gummi klebt.

Nach dem Frühstück gehen wir weiter, über die Große Straße in Richtung Zeppelinfeld. Die Granitplatten sind mit Gummi verziert: Hier hat irgendjemand seine Reifen gründlich abradiert. An der Seite stehen Kerzen und Blumen, zur Erinnerung an die Skaterin, die von einem rasenden Autofahrer getötet wurde.

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Die Große Straße: Gefügt aus Granitplatten

 

Die Straße ist riesig, gerade weil sie so leer und breit geradeaus führt. Rechts und links sind noch überwachsene Stufen zu erkennen. Wäre hier normaler Verkehr, vierspurig, zwischen normalen Häusern, würde diese Straße nicht so monumental wirken, wie sie jetzt aussieht. Vollgeparkt mit Autos sähe sie ebenfalls völlig normal aus. Was wirkt, ist diese Leere. Eine breite Straße, die ins Nichts führt, rechts und links erst gesäumt von ein paar Büschen und den Teichen.

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Gras und Brennnesseln wachsen auf und zwischen den Stufen.

 

 

 

Rund um das Zeppelinfeld hat sich das Grün längst die Treppen zurückerobert, die einst zu den Stelen führten, auf denen die Flakscheinwerfer einen Lichterdom in den Himmel strahlten, der bis Prag oder Frankfurt zu sehen war. Sechs Kilometer hoch reichte das Licht. Ich kann mir eine Vorstellung davon machen, wie es einst gewesen sein mag, mit Hilfe der wenigen Fotos, die entlang der Strecke Bilder von früher zeigen, und mit den Bildern, die ich aus dieser Zeit schon kannte.
Vor der Zeppelinhaupttribüne warnt ein Schild: Betreten nur auf eigene Gefahr. Hier zeigen die Fotos auf den Tafeln, wie es innen aussieht: Die Stadt bräuchte dringend Geld, damit die Bauwerke erhalten bleiben können. Seit die Pfeilerreihe nicht mehr oben schützt, dringen Regen und Feuchtigkeit in die Räume darunter. Eine etwas moppelige Frau stand mit ihrem Mann und Sohn, die etwa den gleichen Umfang hatten, vor den erklärenden Tafeln. Sie dozierte den englischen Text laut und deutlich, ließ ihren Zeigefinger auf der Zeile gleiten. Konnten die beiden Männer nicht selber lesen?

fränkischer tag 643Ein Blick von oben über das Feld zeigt: So groß war alles gar nicht. Klar, die Türen zu den jetzt versperrten Treppenhäusern sind riesig. Aber das eigentliche Zeppelinfeld wirkt relativ klein, so für meinen heutigen Blick, der an die Größe von Möbelhäusern und Einkaufszentren und deren dazu gehörigen Parkplätzen geschult ist.

 

 

 

 

fränkischer tag 638Hinten links lugt, nein ragt das neue Stadion über die ehemaligen Tribünen hinaus: Gegen den Kommerz, in den sich der Fußball heute verwandelt hat, sehen selbst tausendjährige Fantasien klein aus.

 

 
Wir gehen um die Kongresshalle zurück, in deren einem Flügel das Nürnberger Sinfonieorchester und in deren anderem Flügel das Dokumentationszentrum untergebracht sind, bis wir wieder am Auto sind. Und steigen ein.

 

 

 

2 Gedanken zu „Nürnberg: Frühstücksrunde um den Dutzendteich

  1. Schön, einiges von Nürnberg zu lesen. Auf der Reise nach München bin ich oft an Nürnberg vorbei gerauscht, ohne abzubiegen. Leider ist mein Sohn nun aus München abgewandert, sodass ich wahrscheinlich nicht mehr dorthin komme. Somit wird Nürnberg für mich wohl eine nicht besuchte Stadt bleiben.
    Mit freundlichem Gruß
    Georg Terlutter

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