Auf alten Wegen unterwegs

Wozu brauchen Menschen Wege?

Vielleicht wollen sie die Nachbarn im nächsten Dorf besuchen oder einmal über den Hügel schauen – um zu sehen, was für eine Welt sich hinter diesem befindet. Alte Wege wurden nicht von Verkehrsplanern angelegt, sondern entstanden ganz von selbst, so wie die Trampelpfade im Park: Dort, wo es sich bequem gehen lässt, dort wird gegangen, geritten und gefahren.


In seinem Buch „Geschichte der Landschaft in Mitteleuropa“ beschreibt Hansjörg Küster, wie einst die Wege entstanden, auf denen die Menschen noch heute unterwegs sind. Er erklärt die Landschaft mit all ihren Eigenheiten, die uns heute so scheint, als sei sie schon immer so gewesen. Das Buch war für mich insofern spannend, da mir bis dahin nicht klar war, dass ja die Hohlwege, wie sie in vielen Mittelgebirgen und Wäldern vorhanden sind, sich nur selten aus einer Laune der Natur heraus gebildet haben, an Grabenbrüchen beispielsweise, sondern im Lauf der Zeit durch Karrenräder geformt wurden.

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Römerstraße in Cordoba.

Während die Römer Steinwege anlegten, auf denen sie nicht nur ihre militärischen Einheiten, sondern auch Waren und Güter schnell befördern konnten, blieben alle anderen Wege unbefestigt. Manche sind es bis heute und verbinden Orte durch Feld-, Wald- und Wiesenwege. Bin ich selbst unterwegs, ärgert es mich manchmal, wenn die Wege fast unpassierbar sind, nur weil Traktoren oder andere Maschinen auf ihnen fuhren und tiefe Spuren hinterließen. Dabei dürfte das früher nicht anders gewesen sein: Ochsen, Pferde und Karrenräder gruben sich immer tiefer in die Erde, Pferdehufe und Wagenräder wühlten den Schlamm auf, sorgen für metertiefe Rillen, die sich im Lauf der Zeit immer tiefer in den Löß hineinfrästen. So entstanden Hohlwege, die bis heute existieren.

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Ein typischer Hohlweg im Wald

Dieser Hohlweg beispielsweise liegt in Franken und führt zu einer Anhöhe, auf der vier große Linden wachsen. Einst soll dort eine Richtstätte gewesen sein, sagte die Tafel, die bei den Bäumen stand. Als der Rest des Hügels noch unbewaldet war, konnten die Linden sogar von Nürnberg aus gesehen werden, heißt es dort.

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Rinne im Stein: Ein alter Weg.

Entlang der Wege, die in vielen Fällen oben auf den Kämmen der Berge führten, wurden Burgen gebaut, zunächst zur Sicherung des Handels, später auch zum Raub der Güter. Pfalzen entstanden als Herbergen für Könige und Kaiser, jeweils eine Tagesreise voneinander entfernt. An flachen Stellen ließen sich Flüsse überqueren, dort siedelten sich Menschen an. An unterwegs errichteten Kapellen beteten die Menschen zum Heiligen Georg, dem Schutzpatron der Reiter und dem Heiligen Leonhard, Schutzpatron der Fuhrleute.

War der Untergrund felsig, gruben die Räder der Karren tiefe Rillen in den Stein.

Bis in die Neuzeit hinein gab es unterschiedliche Wegenetze, die unabhängig voneinander existierten und nicht immer auf den gleichen Wegen führten und für den Handel, die Pilgerreise, Viehtrift und als Heeresstraßen dienten.

Für den Daily Post nach vorne geholt.

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Morgendämmerung auf dem Walberla

Morgenstimmung am Walberla.

Die Zeit eilt, rasch, zieht vorbei – so wie sich der Morgennebel vor der Sonne versteckt. Ich ziehe meine Schuhe und die alten Sachen an und wandere hinauf, dorthin, wo einst die Kelten wohnten.

Morgens um sieben. Das ist mein Beitrag zum Projekt 52 bei Frau Mondgras. Klick auf das Logo oder den Link führt zu den anderen Teilnehmern.

Woher weiß ich, wohin meine Reise führt?

Reisen ist die Sehnsucht nach dem Leben, stellte einst Tucholsky fest. Und so war ich bereits als Kind gefesselt von den Berichten ferner Reisen, suchte den Schatz auf der Schatzinsel, erforschte mit Darwin die Galapagos-Inseln und kroch unter die Decke, wenn die Wölfe bei Jack London heulten. Dabei war mir klar, dass ich nie an diese Orte reisen würde, weil sie zwar Orte meiner phantasierten Sehnsucht waren, doch keine realen Städte oder Gegenden.

Aber ich las auch Geschichten und Reiseberichte, die mich an diese Orte führten, von denen diese erzählten, auch wenn die berichteten Zeiten längst Vergangenheit waren: Wegen der Geschichten reiste ich nach Tabor, einer kleinen Stadt in Böhmen, einst von Hussiten gegründet, nachdem Jan Hus in Konstanz verbrannt worden war. Ob Erzählung, Roman oder Reisebericht: Es gibt Literatur, die meine Sehnsucht nach einem bestimmten Ziel weckt, auch wenn ich weiß, dass ich diesen Ort in Wirklichkeit nie erreichen werde.

ft 212Manchmal fahre ich einfach so los, ohne mich zu informieren: So wie bei einer Tour durch Böhmen, die ich mit einer Freundin zusammen unternahm. Wir trödelten, fuhren, guckten, mäanderten, so ganz ohne Navi, sahen wir einen vielversprechenden Ort, der uns interessant schien, dann hielten wir an, liefen herum, aßen dort, redeten mit den Menschen, wenn es ging und suchten eine Übernachtungsmöglichkeit. Eine ähnliche Tour unternahm ich vor anderthalb Jahren mit dem Lieblingsmann: Als wir auf einer böhmischen Landstraße fuhren, weckte ein Ortsschild bei ihm Erinnerungen, wir hielten an, aßen dort in einer Gastwirtschaft, fragten die Wirtin nach einer Übernachtung, sie rief einen Lehrer an, bei dem wir schlafen konnten und der ein wenig deutsch sprach. Wir gingen durch das Dorf: Aus diesem Ort kamen viele Flüchtlinge nach dem Krieg nach Bayern, in den Ort, in dem der Lieblingsmann aufwuchs. Nur wenige durften bleiben.

Gepäck ElisabethpfadOft bin ich so unterwegs. Wichtiger als das Ziel, die Sehenswürdigkeit, der Ort an sich, á la: „Jetzt war ich dort und kann das abhaken“ sind mir die Begebenheiten am Rande, die das Unterwegs-Sein so spannend und einzigartig machen. Als ich auf dem Elisabethpfad von Eisenach bis Marburg lief, hatte ich lediglich einen Zettel bei mir, auf dem die Namen der Dörfer standen, durch die der Weg führen sollte. Als Elisabeth damals vor 800 Jahren zwischen diesen beiden Orten unterwegs war, noch dazu mit ihrem kleinen Kind, hatte sie ja auch weder Taschentelefon, noch Reiseführer.

Ja, ab und an lese ich auch richtige gedruckte Reiseführer. In diesen kann ich mich informieren, kann Zahlen und Fakten nachlesen. Oft lese ich sie allerdings erst nach der Reise. Zugegeben: Wenn ich so scheinbar planlos reise, dann fahre ich nicht sehr weit weg. Reise ich in weitere Ferne, bin ich gerne in einer Reisegruppe unterwegs, auch wenn ich eigentlich kein Herdentier bin. Aber so brauche ich nicht selbst zu planen und bekomme praktischerweise alles gezeigt und erklärt. Ziehe ich dagegen auf eigene Faust los, warten die Entdeckungen immer dann, wenn ich vom Weg abweiche, die Nebenstraße wähle, auch wenn ich nicht weiß, was hinter der nächsten Kurve liegt.

IMG_4927_1_1Der eigentliche Reiz des Reisens, meines Reisens, sind Begegnungen. Für diese brauche ich manchmal nur um die Ecke zu gehen und bin gleich weiter von meinem Alltag entfernt, als es je am anderen Ende der Welt sein könnte. Dafür muss ich nur Augen und Ohren aufsperren und neugierig sein. Ein Reiseführer dagegen zeigt mir dagegen nur das, was schon andere gesehen haben. Aus diesem Grund lese ich zwar gerne Reiseerzählungen, Reisereportagen und andere Geschichten, doch ich plane meine Reisen nur wenig mit einem Reiseführer, ob analog oder digital.

Das ist mein Beitrag zur Blogparade: Deine wichtigsten Informationsquellen für Reisende

Das Reisetagebuch

Ein Reisetagebuch schreibe ich selbst dann, wenn ich nicht reise. Bereits vor der Reise suche ich mir Informationen über das Reiseziel zusammen, kaufe mir Reiseführer und lese vor allen Dingen auch Reiseberichte von Menschen, die schon einmal dort waren. Das können sowohl Blogs im Internet sein, als auch Reisereportagen in Zeitungen und Büchern sein, selbst in Romanen finde ich Inspirationen.

Zunächst ist (fast) jedes meiner Reisetagebücher ein einfaches Notizbuch mit einem festen Gummi drumherum und einem eingeklebten Umschlag innen. So kann ich Zettel, Karten, lose Blätter einfach sammeln. Vor der Reise mache ich mir manchmal Notizen zu den gelesenen Texten, halte fest, was ich un-be-dingt sehen muss. Ob ich es mir dann wirklich anschaue? Kommt darauf an… Vielleicht ist es für die Sehnsucht, die mich zu einem bestimmten Ort führen will, besser, wenn ich diesen nicht real erlebe. So bleibt mir eine Ent-Täuschung erspart.

Schon vor der Reise sammele ich auf diese Weise die ersten Ideen, Gedanken und Notizen. An was muss ich unbedingt denken? Was darf ich auf dieser Reise auf gar keinen Fall vergessen?

Ich packe meinen Koffer und meine Taschen. Was wird mich auf meiner Reise begleiten? Diese Dinge gehören zu mir, sie sind sozusagen mein vertrautes Zuhause in der Fremde. Welche meiner Kleidungsstücke packe ich ein? Wie will ich mich den Mitreisenden zeigen? Bei jeder Reise zeigte sich: Ich habe Dinge eingepackt, die ich überhaupt nicht gebraucht habe. Doch beim Packen war ich überzeugt, dass ich ohne diese Dinge nicht fahren kann. Auf gar keinen Fall! Ob die Sandalen auf meiner Pilgertour von Eisenach nach Marburg oder die Stifte, mit denen ich auf der Kappadokienreise zeichnen wollte: Alles war nur Ballast. Doch das weiß ich erst nach der Reise, nicht vorher.

 

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In Kappadokien unterwegs: Mein Bild für die Blogparade

kappadokien 2141 In Kappadokien war ich im Frühjahr unterwegs. Die Mandelbäume blühten reich und rosa, ansonsten war die Landschaft trocken und karg. Diese alte Frau ging – auf ihren Stock gestützt – nur sehr mühsam und langsam einen langen Berg hinauf: Unten am Fluss lagen die schmalen Felder, oben auf der Höhe die Häuser. Sie trug das, was sie geerntet hatte, im Sack auf dem Rücken.

Leider konnte ich sie nicht fragen, wie oft sie diesen weiten Weg gehen muss. Der Reiseleiter erzählte, dass die Menschen hier in Ortahisar weniger als 100 Euro im Monat bräuchten, weil sie diese sowieso nicht ausgeben könnten. Es gibt einfach nichts zu kaufen. Vielleicht ist es aber auch umgedreht: Es gibt nichts zu kaufen, weil die Menschen so arm sind und ein Händler nicht davon leben könnte, was er verkauft.