Projekt 52: Winter am Walberla

Jeden Morgen erwacht der Tag und mit ihm die Lust, in die Welt hinauszuziehen. Wohin des Wegs ich gehe, richtet sich nach Wind und Wetter, Lust und Laune: Heute geht es hoch auf den Berg, aufs Walberla, der immer von ferne grüßt, sobald ich mit dem Auto in Richtung Forchheim unterwegs bin.

Die Sonnenstrahlen wärmen in der eisigen Luft, doch je höher ich steige, desto rauer weht der Wind. So leiste ich der Walburga, die vor ihrer Kapelle steht, nur kurz Gesellschaft. Ob ihr kalt ist, so wie sie bei Wind und Wetter draußen warten muss? In der kleinen Kapelle könnte sie Schutz finden, leider ist die Tür fast immer fest verschlossen. Die Schlittenkufen der Kinder spurten Parallelen in den Schnee, die im Sonnenlicht golden glänzen und bis hoch zur Spitze führen. Von hier aus ist die Sicht weit, so lange, bis die Dämmerung kommt.

projekt52_2.jpgDas ist mein Beitrag zum Projekt 52 bei Frau Mondgras. Eigentlich gilt es, jede Woche ein Bild zum Thema zu finden, doch der Januar ist schon so weit. Deswegen habe ich viele Bilder auf dem Weg zum Walberla gemacht und sie zu einem kleinen Film zusammengepackt. Viel Vergnügen damit.

Edit: Da habe ich doch gestern glatt vergessen, Frau Mondgras zu verlinken. Wird prompt nachgeholt: Da ist der Link. 

Die Musik stammt von:
Kostenlose Musik von Frametraxx Banner

Spanien im August

Einen ganzen Monat waren wir in Spanien unterwegs: In Sevilla, Cordoba, Malaga und Granada. Da blieb Zeit genug, alles auf uns wirken zu lassen und mit den Orten ein wenig vertrauter zu werden. Heiß war es, da war es auch gut, dass wir genügend Zeit mittags für die Siesta hatten, ohne ständig daran zu denken, was wir alles verpassen würden. Wir konnten in Ruhe dem weißen Kaninchen folgen, statt im Dauerlauf alle Sehenswürdigkeiten abzuhaken. Ich werde jede einzelne Station noch ausgiebig vorstellen, hier möchte ich einfach einen ersten Eindruck vermitteln, mit einem Bild in schwarz-weiß aus jeder Stadt – und einem Bild aus den Dörfern in der Sierra Nevada.

Als ich vor mehr als 30 Jahren meine ersten Bilder selbst fotografiert habe, waren diese in den meisten Fällen schwarz-weiß. Das lag nicht nur daran, dass die Filme billiger waren, sondern auch daran, dass ich die Filme damals selbst entwickeln konnte und die Bilder ebenfalls selbst machen konnte. Von diesen Bildern sind – im Laufe der Jahre und vieler Umzüge – kaum noch welche vorhanden. Doch ganz vergessen habe ich die Schönheit der schwarz-weißen Bilder nie.

Seit mir mein Vater seine alte Spiegelreflexkamera geschenkt hat, habe ich wieder schwarz-weiße Analog-Filme im Schrank. Und warte auf die passende Gelegenheit, beides einzusetzen. Bis es so weit ist, nehme ich gelegentlich Bildern ihre Farbe, wie diesen hier – und beteilige mich an passenden Blogparaden, wie dieser von Aleksandra. Denn was nutzen die ganzen Schönheiten, wenn sie niemand betrachtet?

Sevilla.

Sevilla: Der Real Alcazar, der Königspalast mit seinen Gärten.

Cordoba.

Cordoba: Die Mezquita.

Malaga.

Malaga: Die Feria.

Granada.

Granada: Die Alhambra.

Sierra Nevada.

Die Dörfer in den Alpujarras, einem Teil der Sierra Nevada.

Franken ist (m)ein Paradies

Nachdem Gott die Menschen aus seinem Paradies vertrieben hatte, blieb ihnen nur die Sehnsucht, eine Sehnsucht nach dem Land, das ihnen verboten blieb. Seit dieser Zeit suchen die Menschen einen Ersatz für eben dieses Paradies, reisen rund um die Welt und hoffen inniglich, dass sie wenigstens für eine kurze Zeit dorthin zurückkehren können.

Ich fand das Glück in Franken, bin jetzt schon fast zwei Jahre hier zu Hause und entdecke immer mehr von der wunderbaren Gegend um mich herum. Kletterfelsen, Höhlen, Karpfenweiher, Dörfer, pittoreske Städtchen und urbanes Leben – alles ist da.

In manchen Ortsnamen klingt bereits die Schönheit als Grundton mit: Wer durch den Gottesgarten wandert oder im Paradiestal unterwegs ist, bekommt eine kleine Ahnung davon, was den Menschen einst verloren ging.

staffelstein

Kapelle auf dem Staffelberg

Steige ich in Franken auf einen Berg, kann ich auf vielen Gipfeln eine Kapelle besuchen, wie auf den Hochplateaus von Staffelberg und Ehrenbürg: Vor mehr als 2000 Jahren standen hier oben keltische Städte. Die Kelten waren in Franken zu Hause, bis die Germanen aus dem Norden und die Römer vom Süden kamen. Dann packten sie ihre Siebensachen zusammen, und zogen weg. Bis heute weiß niemand, wohin. Vor der Erschließung eines Baugebietes in Hallerndorf gruben die Archäologen im Boden, fanden dunkle Stellen, in denen Pfähle der Häuser standen, sammelten Scherben ein und rekonstruieren später aus den Funden die keltische Siedlung.

walberla

Das Walberla

Aber eigentlich ist es egal, wo ich in Franken unterwegs bin: Spannend und schön ist es überall:

Bamberg

Das Rathaus in Bamberg

Da gibt es das 1000-jährige Bamberg, Weltkulturerbe, im Dom die Grabstätten von Kaiser Heinrich und seiner Kunigunde, den Bamberger Reiter, die Altenburg hoch über der Stadt und die quirlige Altstadt mit Klein Venedig, ein Rathaus, von den Bürgern mitten im Fluss gebaut, weil an dieser Stelle die Domherren nichts zu sagen hatten.

Nürnberg

Nürnberg: Reichsparteitagsgelände

Es gibt Nürnberg, mit Stadtmauer, Burg und dem Wohnhaus von Albrecht Dürer, aber auch das Reichsparteitagsgelände.

sanspareil

Sanspareil

In Bayreuth gibt es außer den Festspielen die Eremitage, den Park Sanspareil, das Wacholdertal und die Villa Wahnfried, dort lebte neben Wagner auch Jean Paul.

Rothenburg ob der Tauber

Rothenburg ob der Tauber

Von Rothenburg ob der Tauber sind nicht nur die Japaner begeistert. Als ich dort im vergangenen Jahr zum ersten Mal den dortigen Weihnachtsmarkt besuchte, war ich ebenfalls hin und weg: Hier ist nicht ein solches Gedränge, wie auf dem Nürnberger Christkindlesmarkt, hier wird die ganze Innenstadt zu einem romantischen Markt.

Franken

Felsen in der Fränkischen Schweiz – Paradiestal

Von den Felsen in der fränkischen Schweiz schwärmten schon die Romantiker, in den Tälern lässt es sich wunderbar wandern.

storchenlehrpfad

Störche im Aischgrund

Im Aischgrund reiht sich ein Karpfenweiher an den nächsten, immerhin gibt es gut 2000 davon. Paniert liegen die halbierten Fische später auf den Tellern, die von den Wirten serviert werden – und schmecken wunderbar. Jedes Frühjahr kommen Störche, brüten, ziehen ihre Jungen auf und fliegen wieder davon.

Bamberg

Bierkeller in Bamberg

Bierkeller, Zoigl- und Heckenwirtschaften: In Franken wird in vielen kleinen Brauereien Bier gebraut und am Main entlang gibt es Wein. Es gibt die Bamberger Hörnle, die sauren Zipfel und Schäufele.

Ich merke, dass ich aus dem Schwärmen nicht mehr herauskomme. Wie gut war es, dass ich der Liebe wegen nach Oberfranken zog: So habe ich das Glück, dass ich dort wohne, wo ein kleines Paradies auf Erden ist.

Kreuzberg

Immer wieder schön: Biergarten auf dem Kreuzberg

Wer Franken bereisen möchte, kann mich gerne besuchen: Vielleicht ziehen wir ja zusammen los und entdecken einen Zipfel der Glückseligkeit?

Verbunden mit: Daily prompt

Mit der Draisine auf der Kanonenbahn unterwegs

Zwischen den Metropolen Berlin und Metz gibt es mitten in Deutschland tiefste Provinz. So scheint es wenigstens. Doch das war nicht immer so: Nach dem Deutsch-Französischen Krieg von 1870/ 71 war Elsass-Lothringen plötzlich deutsch. Und überhaupt: Man wusste ja nicht, was die Zukunft so bringen würde. Sicher war nur, dass Eisenbahnen damals super praktisch waren: Auf ihnen ließ sich sämtliches Kriegsgerät ebenso wie die Truppen von Berlin in den ehemals französischen Westen bringen. Für alle Fälle.

Draisinenfahrt mit der Kanonenbahn

im Bahnhof Lengenfeld/ Stein

Deswegen wurde 1872 eine neue Bahnlinie projektiert und zwischen 1878 und 1880 fertiggestellt. Diese verband die Westgrenze Deutschlands, Metz, mit der Ostgrenze, Eydtkuhnen, das damals an der deutsch-russischen Grenze lag. Eine Zeitung schrieb zur Eröffnung der Bahn: “So ist doch der Erwartung Raum zu geben, daß die neue Bahn, die Petersburg mit Lissabon auf dem kürzesten Wege durch Deutschland verbindet, eine der frequentiertesten werden wird.” 

Draisinenfahrt auf der Kanonenbahn

Idyll auf der Kanonenbahn.

War gut gedacht, aber irgendwie kommt ja manchmal vieles anders, als sich Menschen das vorstellen. Von dieser ganzen Bahnstrecke gibt es noch Teile, die richtig in Betrieb sind und auf denen Züge fahren, wie beispielsweise von Berlin bis Sangerhausen. Das könnte die kürzeste Verbindung zwischen der Hauptstadt und dem Rhein-Main-Gebiet sein. Die Strecke wurde aus militärstrategischen Gründen so gebaut, wie sie heute noch zum Teil besteht, eine wirtschaftliche oder gar zivile Nutzung war nicht wirklich vorgesehen. Deswegen befanden sich beispielsweise die Bahnhöfe oder Haltepunkte gelegentlich kilometerweit von den Dörfern entfernt. Immerhin waren die Menschen damals auch noch besser zu Fuß unterwegs. Pendlerparkplätze waren dort jedenfalls nicht vorgesehen.

Die Eisenbahnstrecke zwischen Geismar und Leinefelde ist ein kleiner Teil dieser Kanonenbahn. Ursprünglich zweigleisig angelegt – auf der Brücke und in den Tunneln ist der Platz für das zweite Gleis immer noch vorhanden – fuhren Züge auf dieser kleinen Strecke. Abgebaut wurde das Gleis übrigens bereits nach dem ersten Weltkrieg, als Reparationsleistung. Da meine Großeltern in Effelder wohnten und wir in Geismar, waren die Züge unsere ganz normale Verbindung, wenn wir sie besuchen wollten, oder sie zu uns kamen. An die erste Reise mit diesem Zug kann ich mich nicht selbst erinnern, aber meine Mutter hat davon erzählt: Ich war gerade einmal zwei Monate alt, als die Eltern von Mühlhausen – wo sie studierten, und wo eines der Großelternpaare lebte – mit mir im Kinderwagen nach Effelder zu den anderen Großeltern fuhren. Effelder. Der Bahnhof war nur ein Haltepunkt kurz nach einem Tunnel, von dem heute nichts mehr zu sehen ist. Von der Bahn aus geht es zwei Kilometer bergauf, erst durch Wald, linkerhand vom Weg lag ein spannender Steinbruch – dann durch Felder, bis nach Effelder hinein. Der Kinderwagen mit den schmalen Rädern und mit mir drin musste geschoben werden, bergauf und auf Schotterweg. Geteert war damals nicht.

Draisinenfahrt auf der Kanonenbahn

Der ursprüngliche Haltepunkt von Lengenfeld/ Stein, vor dem Bau des Bahnhofes.

Auf der Strecke zwischen Geismar und Küllstedt kann man heutzutage mit einer Draisine unterwegs sein. Das heißt: die Muskelkraft bewegt das Gefährt. Denn es geht in Richtung Küllstedt stets bergauf, und zwar insgesamt 124 Meter. Dafür ist die Rückfahrt einfach schneller, es geht bergab, logisch. Einem oder zwei Zugwaggons ist das vor Jahren ebenfalls zum Verhängnis geworden. Auf dem Bahnhof in Lengenfeld/Stein mit Schwellen und Schienen beladen abgestellt, hatte wohl ein Bahner vergessen, den Hemmschuh vorzulegen. So setzten sich die Wagen mit ihrer Ladung langsam in Bewegung, fuhren bergab und durch den Bahnhof in Geismar hindurch. Aufgehalten wurde alles vom Prellbock, der ein Stück weiter hinten stand. Hier endete die Strecke und alles landete im Gras. Vielleicht war das der Grund dafür, dass noch einige der Schwellen und Schienen aus der Erbauungszeit erhalten blieben.

Draisinenfahrt auf der Kanonenbahn.

Fast allein auf der Strecke unterwegs.

Wir stiegen in Lengenfeld/ Stein ein. Da das Wetter trotz Frühling kalt und der Himmel wolkenverhangen war, hatten wir die ganze Strecke für uns allein, oder wenigstens fast, nur zweimal begegneten uns Mitarbeiter der Kanonenbahn, die ebenfalls unterwegs waren. Wer jetzt Lust bekommt und zufällig irgendwann in der Nähe von Lengenfeld/ Stein ist, sollte dringend vorher bei der Erlebnis-Draisine eine Draisine buchen oder wenigstens anrufen. In Ferienzeiten und bei schönem Wetter sind nämlich schnell alle Draisinen mit fröhlichen Menschen unterwegs. Und derjenige, der einfach mal eben so, der steht dumm am Bahnhof rum. Draisinen sind da anders als Züge: Züge fahren nach einem Fahrplan, und haben – in der Regel jedenfalls – mehrere Wagen und somit genügend Platz auch für die Reisenden, die sich ganz spontan und kurzfristig überlegen, dass sie gerade mal dringend irgendwohin müssten.

Draisinentour auf der Kanonenbahn

Der Lengenfelder Viadukt

Die Fahrt ging über den Lengenfelder Viadukt, 1875-79 gebaut, der in einer Höhe von 24 Metern 237 Meter über das Dorf führt. Das hört sich nicht viel an, aber ich bin – vor Jahren schon – einmal zu Fuß darüber spaziert. Da zwischen Schienen und Schwellen viel Platz ist, war mir schon ziemlich mulmig zumute, auch wenn kurz zuvor noch Züge darauf unterwegs gewesen waren.

Draisinenfahrt auf der Kanonenbahn

Sicht von oben auf die Schienen des Viadukts. So sieht das ja noch ganz harmlos aus. Aber man kann wirklich bis unten gucken.

Die Brücke selbst macht eine Kurve, da die Strecke in einem großen Bogen bis zum Lengenfelder Schloss Stein verläuft. Als Kind fand ich es toll, dass der Zug immer kurz vor der Brücke abbremsen musste und nur gaaaaanz langsam darüber fahren durfte. So hatte ich genügend Zeit zum Gucken. Mein Vater erinnerte sich daran, dass die Lok einmal ohne Lokführer unterwegs war – und somit schneller über die Brücke fuhr, als erlaubt. Der hatte nämlich den Totmannschalter blockiert und war außen an der Lok unterwegs, warum auch immer. Die Diesellok (eine V60, glaube ich) hatte nämlich rundum eine Trittplattform. Allerdings fiel der Lokführer dort herunter – und der Zug war führerlos unterwegs. Der Schaffnerin fiel irgendwann die Geschwindigkeit auf, doch die Brücke war wohl schon nahe: Also flitzte sie von Zugwaggon zu Zugwaggon und drehte dort die Handbremse fest, bis der Zug langsam hielt.

Draisinenfahrt auf der Kanonenbahn

Kurz vor dem Entenbergtunnel.

Der erste Tunnel nach Lengenfeld/ Stein war der Entenbergtunnel. Rechts lässt sich bei schönem Wetter rasten und picknicken. Hier stand einst das Häuschen eines Streckenwärters, der jeden Tag 17 Kilometer zu Fuß an der Bahnstrecke unterwegs war. Die Strecke musste schließlich in Ordnung gehalten werden. Heute sind Ausweichstellen angelegt, so dass schnellere Draisinenfahrer problemlos überholen können. Wenn sie das wollen. Eigentlich sollen sich die Lichter der Draisine im Tunneldunkel einschalten, da sie mit einem Dämmerungsschalter versehen sind. Doch die gute Frau, die uns in die Draisine einwies, schaltete den Schalter erst ein, und dann wieder aus. Aus Versehen, nehme ich mal an. Das Ergebnis war phänomenal: Auf der gesamten Hinfahrt fuhren wir ohne Licht durch die Tunnel. Immerhin ist einer gut anderthalb Kilometer lang, das dauert schon mal zehn Minuten, bis wieder ein Licht am Ende des Tunnels erscheint. Bis dahin leuchtete nur der Streifen auf dem Notfallkasten leicht neongrün.

Draisinenfahrt auf der Kanonenbahn

Nischen im Tunnel

In allen Tunneln gibt es in ziemlich kurzen Abständen solche kleinen Nischen, in die sich jeweils ein Mensch hineinstellen konnte. Denn als die Bahnstrecke gebaut wurde, waren noch Dampfloks unterwegs. Der Rauch war in den Tunneln übrigens noch zu riechen, da der Ruß ebenfalls dort noch so hängt, wie er sich verfangen hat. Dabei ist das schon so lange her.

Draisinenfahrt auf der Kanonenbahn

Der Küllstedter Tunnel

Der Tunnel kurz vor oder nach Küllstedt ist nicht nur mit anderthalb Kilometern der längste Tunnel, sondern war immer der, auf den ich mich als Kind immer am meisten gefreut habe: Er hat so nette Türmchen rechts und links vom Mundloch, die aus ihm eine alte, verwunschene Burg machen.

Draisinenfahrt auf der Kanonenbahn

Wendestelle in Küllstedt

Von nun an ging es bergab: Mit dem gelben Gerät, auf dem die Draisine gerade steht, wird sie gewendet und die Fahrt kann zurück bis Lengenfeld/ Stein gehen. Hier waren zwei Mitarbeiter der Draisinenbahn mit einem lustig umgebauten Auto auf der Strecke unterwegs. Einer hatte einen Schlüssel – und schaltete uns das Licht an, so dass wir auf der Rückfahrt nicht mehr im Dunkeln durch die Tunnel fahren mussten.

Draisinenfahrt auf der Kanonenbahn

Die alte Dampflok fuhr noch.

Das war mal im Winter, die Großeltern waren zu Besuch und fuhren wieder ab. Vorne, hinter der dicken weißen Dampfwolke, lässt sich die Dampflok erahnen. So schön war Bahnfahren einmal.

 

Mit der Reisehummel im Bayerischen Wald unterwegs

An einem Ort, wo sich Fuchs und Hase gute Nacht sagen, wie man so schön sagt, dort ist ein guter Platz, an dem wir aus der hektischen Betriebsamkeit des Alltags aussteigen können. Der Bayerische Wald ist für uns eine solche Gegend: Nach einem noch in aller Hektik verbrachten Vormittag stimmte uns bereits die Fahrt auf der A3 auf das ruhige Wochenende ein. Wir fuhren in Richtung tschechische Grenze, die Autobahnschilderpoesie versprach auf der rechten Seite, ein „Erlebnis Natur“, links grüßte die Walhalla vom Donauufer und zwischen Straubing und Deggendorf veranstalteten Truckfahrer Elefantenrennen. Wir fuhren geduldig hinterher, schonten Sprit und Nerven. Bald schoben sich die Berge des Bayerischen Waldes wie Riegel vor den Horizont und kündeten vom sich nahenden Ziel. Auf der Landstraße neben der Autobahn sahen wir zwei Pferde, die mit ihren blonden Mähnen einen Wagen mit nicht nur blonden Mädels zogen und alles sah so idyllisch aus, wie sich die Hochglanzmagazine das Landleben vorstellen.

Mit der Reisehummel in Hohenau

Der Blick aus dem Fenster: Das Gästehaus vom Hotel Hohenauer Hof bietet eine weite Sicht

Hohenau selbst liegt auf einer runden Kuppe, es ist, wie der Name verrät, eine hohe Au. Aus dem Wiesengrün spitzt der Kirchturm, vor diesem reckt sich der Maibaum in die Höh. Am Dorfplatz, wie hier die Mitte des Ortes heißt, residiert das Hotel Hohenauer Hof. Die Wirtin überreichte den Schlüssel, erklärte die Zufahrt zum Gästehaus und überließ uns die restliche Gestaltung des Tages.

Mit der Reisehummel in Hohenau

In Freyung.

Jetzt einen Kaffee! Den fanden wir im nahegelegenen Freyung: Das rhythmische Bollern der Traktoren und der singende bayerische Dialekt gingen eine harmonische Allianz ein. Am Nachbartisch tratschten zwei Kaffeetanten über eine andere Frau, die:

„etz in Minga ist, bei der Bollezei arbeitet und nebenher Betriebswirtschaft studiert“.

„Jo mei, wenn’s des schafft“.

Mit der Reisehummel in Hohenau

Keltendorf Gabreta: Gruß am Eingang

Beim gemächlichen Fahren bergauf und bergab lotste uns ein Schild zum Keltendorf nahe Ringelai. Die Kelten waren hier, wie an vielen Orten in Bayern, hinterließen aber nur wenige Spuren. Ein Archäologe erklärte mir einmal, dass es so aussieht, als hätten alle Kelten irgendwann ihre Siebensachen gepackt, zogen fort und keiner weiß, wohin.

Mit der Reisehummel in Hohenau

Das Häuptlingshaus im Keltendorf

Es dauerte nicht lange, bis die von den Kelten einst gebauten Hütten in sich zusammenfielen. Zurück blieben nur dunkle Schatten im Boden, zeigten an, wo die Pfosten einst standen. Wird heute ausgegraben, finden sich nur wenige Reste. Mal ein Spinnwirtel, eine Tonscherbe, vielleicht ein kleiner Knopf. Da es nicht jedem Grundbesitzer gefällt, wenn auf seinem Boden die Archäologen der Denkmalpflege buddeln, nur weil sie darauf hoffen, ein paar alte Scherben ans Tageslicht zu befördern, wird manchmal lieber fix betoniert.

Mit der Reisehummel in Hohenau

Rekonstruierte Keltenhäuser

Die Häuser im Keltendorf Gabreta wurden nach archäologischen Befunden rekonstruiert und stammen aus unterschiedlichen Zeiten der keltischen Kultur. Sie wirken lebensecht, auch weil Ziegen und Schafe sich ein fröhliches Stelldichein im Frühlingsgrün geben: Vielleicht sind die Bewohner nur kurz bei den Nachbarn, borgen sich ein Ei und sind gleich zurück.

Im Hotel zurückgekehrt, war bereits ein Tisch fürs Abendessen reserviert. Dass die Entschleunigung buchstäblich funktioniert, merkten wir daran, dass der Personalausweis, der als Pfand für den Audio-Guide im Museum diente, dort von uns vergessen wurde. Am nächsten Tag war schließlich Zeit genug, ihn zu holen.

Was müssen wir unbedingt sehen, wenn wir hier in Hohenau sind? Den Nationalpark, Passau, Lusen, Arber, Zwiesel und Bärwurz zählte die Frühstücksfee auf. Das reicht mindestens für eine Urlaubswoche, wir haben jedoch nur ein Wochenende.

Mit der Reisehummel in Hohenau

Buchberger Leite: Die Klamm der Wolfssteiner Ohe

Im nebenan gelegenen Ringelai beginnt die Buchberger Leite: Die Wolfssteiner Ohe zwängt sich wildwüchsig und urig durch eine Klamm, ein bequemer Wanderweg führt längs. Auf der Bank an der Hängebrücke saß bereits ein Wanderer, doch es war noch genügend Platz und so entspann sich bald ein kleiner Schwatz.

Mit der Reisehummel in Hohenau

Buchberger Leite: Die Klamm der Wolfssteiner Ohe

Von hier stammend, erzählte er, dass das Hochwasser durchaus bis unter die Hängebrücke reichen kann. Wer genau guckt, kann sie auf dem Foto entdecken. Fließt mehr Wasser die Ohe hinab, kämen auch Kajakfahrer. Überhaupt: Wer hier Abitur hat, ist weg, sagte er, der selbst längst in München wohnte.

 

 

 

 

Mit der Reisehummel in Hohenau

Eingang zum Skulpturenpark in Waldhäuser

 

Hohenau am nächsten liegt der Lusen, einer der Gipfel des Bayerischen Waldes.

Der Waldhäuser Berggasthof bot Glosafleisch: „Das ist Geschnetzeltes, aus der Tradition der Glasmacher“, erklärte die Wirtin.

Zwar wollte der Mann vor dem Essen den Lusen noch stürmen, doch mit Mittagessen im Männerbauch waren die Beine schwer und die Lust schwand, den Weg bis nach oben zu wagen.

 

Mit der Reisehummel in Hohenau

Die Glasarche auf dem Weg zum Lusen

Mit der Reisehummel in Hohenau

Der Weg zum Gipfel des Lusen

Deswegen schlenderten wir erst eine gemächliche Runde durch den Skulpturenpark in Waldhäuser, bevor wir den Wald querten, über Stufen, Steine und einen Holzpfad die Glasarche erreichten.

Wagen wir den Aufstieg oder kehren wir lieber zurück? Noch ist beides möglich – je nach Kondition. Da der Weg bis zur Glasarche nur eine Stunde gedauert hat, trauen wir uns auch den Rest zu.

 

Mit der Reisehummel in Hohenau

Die Stufen auf dem Weg zum Gipfel des Lusen

Als er das Gipfelkreuz sah, rief der Mann freudig aus, dass es jetzt nicht mehr weit sei. Doch bis dahin geht es direkt und gerade hoch, ohne Kurven und oder Umweg. Jetzt hätte ich gerne schlappgemacht, so ohne Lift und Kaffee, nur steile Stufen in Sicht. Ich konzentrierte mich auf die Stufen, ging eine nach der anderen hinauf, erst bis zur Baumgrenze, dann über die mit grüngelber Schwefelflechte überzogenen Steine des Blockmeeres, hoch bis zum Kreuz.

 

Mit der Reisehummel in Hohenau

Das Gipfelkreuz auf dem Lusen

Ein Beweisfoto vom Gipfel, dann gingen wir nach links wieder abwärts und auf einem Schotterweg in Serpentinen hinab. Das Lusenschutzhaus war noch geschlossen.

Beim Frühstück am nächsten Morgen fiel auf, wie schnell sich hier Gäste heimisch fühlen und gleich im Hausanzug erscheinen. Grüße werden über die Tischkanten hinaus getauscht, die Frühstücksdame erkundigte sich nach dem Verlauf des gestrigen Tages.

Heute hingen die Wolken so tief, dass sie die Kirchturmspitze von Hohenau ebenso in Nebel tauchten wie Maibaum und Tannenspitzen. In der Kirche war Erstkommunion, Torten wurden für die Feier in den Hohenauer Hof gebracht. Der Koch in der Küche klopfte eifrig Schnitzel. In Freyung war Markt, ein Autohaus neben dem anderen präsentierte seine Autos: Ob die Knautschzone auf den Türen des zitronengelben Citroens die neue Einparkhilfe ist? Nach einer Weile hatte die Sonne ein Erbarmen und guckte freundlich durch die Wolken. Da noch ein ganzer Tag vom Wochenende übrig war, ließen wir uns weiter treiben. Die Ortschaften schmiegen sich an Hänge, viele Höfe stehen einzeln. Lauter alte Traktoren tuckerten auf der Gegenfahrbahn geruhsam nach irgendwo. Kleine Straßen führen durch kleine Dörfer, in denen nichts eben schien außer den Fußböden der Häuser. Hellgrün leuchten Buchenblätter zwischen dunklen Tannen.

Ganz vereinzelt sehen wir neumodische Bausatzhäuser mit Pultdächern und großen Wandflächen, wie sie in so vielen Orten zwischen Nordsee und Alpen neuerdings gebaut werden. Liebe Leute, überlegt es euch gut: Die Orte sind jetzt so schön und geruhsam. Diese modernen Bauten dagegen werden in ein paar Jahren so hässlich wirken, wie die Bungalows aus Waschbeton in den siebziger Jahren. In den Vorgärten zeigen berauschende Farborgien, dass der Frühling im Überschwang alles gibt, um das Grau und Braun des Winters zu besiegen: Magnolien, Forsythien, Tulpen und hellgrüne Birken strahlten um die Wette.

Mit der Reisehummel in Hohenau

Der Tisch ist gedeckt: Das Museumsdorf Bayerischer Wald

Im Tittlinger Museumsdorf war noch einmal Gelegenheit, die Moderne mit ihren Zumutungen völlig zu vergessen: Häuser aus längst vergangenen Zeiten ließen ahnen, wie das Leben früher war, als im Winter die Küche der einzig warme Raum war und die Tiere mit unter dem Dach wohnten. Musste die Kuh gemolken und gefüttert werden, brauchte bei Eis und Schnee niemand das Haus zu verlassen.

Mit der Reisehummel in Hohenau

Häuser im Museumsdorf Bayerischer Wald

Oft wohnten mehrere Generationen im Haus und an die zehn Kinder garantierten, dass es bestimmt nicht ruhig und erholsam war. Vor einem Haus freute sich eine Besucherin über die davor wartende Bank und fing ihre Enkel ein: „Ich bin die Großmutter, wer mag die Katze sein?“

Mit der Reisehummel in Hohenau

Die alte Poststelle im Museumsdorf Bayerischer Wald

Nach Pestsäulen, kleinen Kapellen, der Schusterei, der Schule, der Post und vielen Häusern führte der Hunger ins nebenan wartende Mühlhiasl, bevor wir uns gestärkt auf die Heimreise machten. Da ich mich ein bisschen in den bayerischen Wald verliebt habe, werde ich bestimmt einmal wiederkommen. Es ist ja gar nicht weit bis dahin.

Standard

 

 

 

 

 

Hervorragend organisiert von der Reisehummel war diese kurze Auszeit vom Alltag so schön, das ihre Wirkung noch die ganze folgende Woche anhält – und Lust auf mehr Kurzurlaub macht, irgendwo in unserem schönen Land.