Bamberg: lebendiges Weltkulturerbe

Bamberg ist Weltkulturerbe, doch die Stadt ist alles andere, als ein Museum. Dichte Menschenmassen schieben sich durch die mittelalterlich krummen Gassen, in denen ein Gewirr aus vielen Sprachen zu hören ist. Das Kulturerbe benimmt sich, drängelt sich weder auf, noch in den Vordergrund. Die Häuser in der Innenstadt sehen auf den ersten Blick so aus, wie anderswo auch. Gerade weil oft so viel los ist, lohnt sich ein wenig Muße und Zeit, so dass der Blick schweifen kann.

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Der Adler wacht auf der Kugel vor dem Rathaus

Ein Adler guckt grimmig

Auf einer Seite steht vor dem alten Rathaus eine Säule, auf der ein Adler drohend auf einer Kugel thront: Achtet er immer noch scharfen Auges darauf, dass die Bürger ihre Steuern pünktlich zahlen? Oder will er dem Bischof zeigen, dass hier die Bürger etwas zu sagen haben, die Stadt – und nicht die Kirche?

 

 

 

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Das alte Bamberger Rathaus

Das Rathaus, wasserumspült

Das alte, von außen bunt bemalte Rathaus wurde deswegen auf einer künstlichen Insel errichtet, behauptet eine Sage, weil der Bischof den Bürgern keinen Boden dafür gönnte. Schon hier lohnt sich mindestens ein zweiter Blick auf die Fresken: Nur dann lassen sich das kleine Beinchen und der Zipfel des Vorhanges entdecken, die ein zweidimensionales Gemälde in eine dreidimensionale Skulptur verwandeln.

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Eine Entenfamilie im Springbrunnen.

Schwänzchen in die Höh

Um das Rathaus herum fließt die Regnitz. Enten recken – wie überall – ihr Schwänzchen in die Höh. Warum die Enten mit ihren Kindern lieber im Springbrunnen badeten, wissen diese nur allein. Die Eis essenden Zuschauer und die spielenden Kinder hat es jedenfalls gefreut. Als ein Junge tatsächlich eines der Küken fing, zeterte nicht nur die Entenmutter.

Kräne luden Lasten einst 
Auf der anderen Seite des Rathauses erinnert mich die Kreuzigungsgruppe, die auf der Brücke steht, jedes Mal an Monty Pythons »Das Leben des Brian«:
* Zur Kreuzigung?
* Ja.
* Durch die Tür hinaus, zur linken Reihe, jeder nur ein Kreuz. Der Nächste.

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Alter Lastenkran am Kranen.

An der Regnitz stehen immer noch die alten Kräne, mit denen früher Schiffe beladen wurden. Heute laden nur die Ausflugsschiffe zu einer Flusskreuzfahrt ein, Frachtschiffe gibt es kaum mehr. Eine Kreuzfahrt durch Bamberg steht allerdings noch auf meiner To-do-Liste für Franken. Kommt noch. Ganz sicher.

Klein Venedig in Bamberg

Auf der anderen Seite des Regnitzufers ist Klein Venedig. Hier wohnten früher die Bamberger Fischer in ihren dicht an dicht stehenden Fachwerkhäusern. Kähne dümpeln immer noch im Wasser und kleine Gärtchen quellen im Sommer vor Blumen über. Sie sehen richtig lauschig aus, doch wenn ich mir vorstelle, in einem solchen zu wohnen, während tausende Besucher in meinen Garten gucken, wird mir ganz blümerant. Wie oft hatten eigentlich die Menschen, die hier wohnten, schon nasse Füße, weil das Wasser immer höher stieg?

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Im Bamberger Biergarten einfach die Zeit verstreichen lassen.

Es gibt so vieles in dieser Stadt zu entdecken: Einst von Heinrich II. als Bischofssitz gegründet, damit er in der Kirche anständig begraben werden konnte, hat sie inzwischen mehr als 1000 Jahre auf dem Buckel. Im Dom steht der Bamberger Reiter seit ungefähr 800 Jahren und schaut – wie neuere Forschungen sagen – genau auf die Stelle, wo das Grab von Heinrich und Kunigunde war. Überhaupt hört sich selbst der Name Bam-berg wie Bim-bam an, der Glockenton der bischöflichen Herrscher klingt bestimmend durch. Aber woher der Name Bamberg genau stammt, das weiß niemand mehr.

E.T.A. Hoffmann und das Apfelweibla

E.T.A. Hoffmann ließ sich von einem Türknauf in der Innenstadt narren und beschrieb diesen in seiner Erzählung »Der goldene Topf«: Der Student Anselmus stößt auf dem Markt den Korb einer Apfelhändlerin um. Er flüchtet bis zu einem Holunderbusch am Ende einer Allee. Zufällig begegnet er dem Registrator Heerbrand, der ihm beim Geheimen Archivarius Lindhorst zu einer Stellung verhilft. Als er zu seinem ersten Arbeitstag an der Tür klopfen will, erscheint im Türklopfer das Gesicht des Apfelweibleins und Anselmus wird ohnmächtig:
„Da stand er nun und schaute den großen schönen bronzenen Türklopfer an; aber als er nun auf den letzten die Luft mit mächtigem Klange durchbebenden Schlag der Turmuhr an der Kreuzkirche den Türklopfer ergreifen wollte, da verzog sich das metallene Gesicht im ekelhaften Spiel blauglühender Lichtblicke zum grinsenden Lächeln. Ach! es war ja das Äpfelweib vom Schwarzen Tor!“

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moderne Kunst in Bamberg

Zwischen alten Häusern stehen auch moderne Skulpturen, wie dieser große Hohlkopf in der Nähe des alten Rathauses: Hinter der schönen Fassade ist gähnende Leere.

Wenn Ihr Euch alles einmal von oben angucken wollt, steigt hinauf auf die Altenburg: Bamberg für Aufsteiger.

Weitere schöne Bamberg-Fotos hat Rainer in seiner Kult-Urzeit: Link

Und wisst Ihr was? Wenn Ihr mit dem Welterbe-Marathon, für dessen Blogparade ich Euch Bamberg nahebringen wollte, in Bamberg seid, dann lasst uns gemeinsam durch die alte Stadt ziehen und die 1000 Jahre suchen.

2 Gedanken zu „Bamberg: lebendiges Weltkulturerbe

  1. Hallo, leider waren wir mit unserem Chor nur 2 Tage in Bamberg. Man sollte dort gewesen sein, eine herrliche, sehenswerte Stadt. Vor allem das Rauch-Bier steckt mir noch im Gedächtnis, es ist sehr gewöhnungsbedürftig, aber man sollte es kosten.
    Die angegebene Website habe ich für unseren Männerchor gestaltet. Sie ist also auf unsere Mitglieder abgestimmt. Wenn Sie näheres über mich erfahren möchten, dann in YouTube „Georg Terlutter“ aufrufen, dort sind viele Videos von mir zu sehen.
    Mit freundlichem Gruß
    Georg Terlutterr

    • Ja, Bamberg hat viele schöne Ecken und Seiten, die sich erst dann zeigen, wenn man sich Zeit dafür nimmt. Zwei Tage zum Schnuppern sind aber auch schon viel. Manche sagen ja, dass das Rauchbier erst nach dem fünften Bier schmeckt ;-), ich finde den Geruch nach geräuchertem Schinken immer so witzig. Dabei ist es was zum Trinken und nicht zum durchbeissen.

      viele Grüße
      Sylvia Hubele

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