Sonntagsspaziergang: Durchs Trubachtal bis Hohenschwärz

Sonntagsspaziergang 001a

Das Trubachtal. Oben grüßt Burg Egloffstein.

Es ist Frühling und die Sonne scheint warm: Da blühen die Obstbäume in der Fränkischen Schweiz: Was liegt also näher als ein Ausflug, dorthin, wo die Kirschen wohnen. Wir fahren bis Mostviel und suchen einen Parkplatz. Das ist nicht ganz einfach, da der einzige Platz zur Gastwirtschaft gehört und nur für deren Gäste sein soll. Alle anderen werden kostenpflichtig abgeschleppt, droht das Schild. Doch am Straßenrand findet sich noch ein kleines Plätzchen.

Sonntagsspaziergang 018a

Das Trubachtal zwischen Mostviel und Egloffstein.

Ein geschotterter Weg führt am plätschernden Bächlein entlang. Der Kies knirscht unter den Schuhsohlen, ein schmaler Trampelpfad rechts zeigt, dass viele Menschen den mit Steinchen bestreuten Pfad meiden und lieber auf dem weichen Wiesengras laufen. Die Hunde sollen angeleint sein, steht auf dem Schild. Doch einer kommt uns entgegen und ist es nicht. Prompt läuft er ins Feld und hockt sich in unzweideutiger Absicht hin.

 

 

In Egloffstein fotografiert eine Frau mit grauem Pferdeschwanz die Burg mit ihrem Tablet, studiert die Wandertafel, auf der die Wege an der Trubach und am Affalterbach gezeichnet sind. Sie will wissen, welches jetzt die Trubach ist und wo sie lang gehen muss, sagt: „Das ist alles sehr verwirrend“, schüttelt den Kopf und geht in Richtung Mostviel. Hier ist wieder Straße, Motorräder dröhnen, Autos fahren in einer solchen Anzahl, als sei Hauptverkehrszeit. Ist es ja auch: Sonntagsnachmittagsausflugsverkehr. Nur drei Kilometer bis Hohenschwärz verspricht der Wegweiser. Na, das ist doch ein Wort. Bis dahin schaffen wir es ganz lässig, trinken oben ein Hohenschwärzer Bier und wandern zurück zum Auto.

Sonntagsspaziergang 032

Auf dem Weg von Egloffstein nach Hohenschwärz

Unten links fließt die Trubach, rechts vom Weg und auf dem Foto kaum zu sehen, plätschert ein Bächlein, mit dem früher die Bauern die Felder bewässerten. Ein richtiges Lustwandeln in der lauen Frühlingsluft. Hummeln summen taumelnd von Blüte zu Blüte. Immer wieder kommen uns Wanderer entgegen, manche mit Hund, andere mit Kinderwagen, wieder andere mit Wandergepäck und Isomatte. Ob die unterwegs übernachten wollen?

Sonntagsspaziergang 041

Die Trubach von Egloffstein in Richtung Hohenschwärz.

Irgendwann biegen wir nach links, in den Wald. Hier duftet es nach Harz und die dunklen Tannen haben sich grüne Moossocken angezogen.

Sonntagsspaziergang 048

Der Wanderweg nach Hohenschwärz.

Ein mit Betonsteinen gepflasterter Waldweg führt dann bis nach Hohenschwärz. Das Bier ist eher süßlich – und schmeckt mir deswegen ganz gut. Falls wir noch einmal hierher wandern, nehmen wir unsere Brotzeit allerdings lieber mit: Die Autokennzeichen verraten, dass in der Wirtschaft mehr Touristen als Einheimische einkehren. Gibt es dagegen Stammpublikum, beschwert sich dieses durchaus beim Wirt, wenn die Qualität des Essens nachlässt.

Sonntagsspaziergang 055

In Hohenschwärz, kurz vor der Einkehr.

 

Sonntagsspaziergang 049

Hohenschwärz.

Bis zur Kirschenblüte dauert es nur noch wenige Tage. Wer sich beeilt, kann die ganze Pracht noch genießen. Der Rückweg von Hohenschwärz geht fast nur noch bergab und wird somit schneller bewältigt, logisch.

Der Bärlauch: Für echte Helden

Wer den Bärlauch pflücken will, muss sich rechtzeitig auf den Weg machen: Er blüht nur im Frühjahr und kann an manchen Stellen dichte, nach Knoblauch duftende Teppiche bilden. Zwar ist der Bärlauch einigen Bundesländern geschützt, darf jedoch prinzipiell zum Eigenbedarf gepflückt werden.

Pilzrose auf dem Weg zum Bärlauch

In einem Wald zeigt eine kleine Pilzrose den schmalen Pfad, der zum Bärlauch hinauf führt. Bis dahin war der Waldweg breit und bequem, eine Waldautobahn gewissermaßen. Der kleine Weg dagegen versteckt sich unter dem Laub der Buchen, die ihn säumen, legt dem Wanderer und Bärlauchfänger Wurzeln in den Weg. Wer eine Stelle kennt, an der sich Bärlauch tummelt, der gibt sein Wissen nicht gerne preis. Ein klein wenig Geheimnis gehört schließlich dazu, ganz wie beim Sammeln der Pfifferlinge im Herbst.

Schließlich ist so ein Bärlauchfang kein Sonntagsspaziergang, der sich jeden Tag einfach so unternehmen ließe. Dinge, die sich der ständigen Verfügbarkeit noch so widersetzen, wie das der Bärlauch macht, erhalten sich deswegen einen ganz besonderen Reiz. Dabei bietet das Frühjahr noch viel mehr an Kräutern, wie beispielsweise Brennnesseln oder Löwenzahn. Doch die sind überall und somit viel zu banal, um einen solchen Run auszulösen, wie es der Bärlauch vermag.

Der schmale Weg schlängelt sich zunächst zwar bergan, hält sich mit der Steigung jedoch noch zurück. Das ändert sich, als er sich rasant um eine Kehre windet: Ab hier wird es steil. Jetzt ist Puste gefragt – und ein wenig Ausdauer. Oben angekommen, wartet schließlich kein Ausflugslokal mit Bier und Leberwurstbrot, sondern hohe Buchen breiten ihre Äste aus, dass sie sich wie ein Baldachin über den Wanderer neigen. Noch sind sie fast unbelaubt, so dass die Sonnenstrahlen bis auf den Waldboden reichen. So liebt das der Bärlauch, der kurz nach der Blüte seine Blätter wieder einsammelt und bis zum nächsten Frühjahr im Laubdunkel schläft.

Der Bergrücken, auf dem sich der Bärlauch so wohl fühlt, dass er einen dichten Teppich bildet, ist rund wie der Rücken eines großen, behäbigen Tieres, auf dem statt Fell oder Borsten junge Bäume wachsen. Es gibt keine Abgründe, aber auch keinen Ausblick in die Weite, des Bewuchses wegen. Nach einem topografischen Punkt beginnt das Bärlauchparadies: Bis an den Horizont, der hier allerdings nicht weit reicht, wachsen die dunkelgrünen Blätter dicht an dicht. Die Blätter bilden einen Wald an aufrecht stehenden Lanzen, mit denen sich die Gnome gegen alle Unbill verteidigen können.

Eine Bärlauchblüte zwischen den Blättern

Ob die an Spitzen von Lanzen erinnernde Form der Blätter ihm den Namen Bär-Lauch und das Versprechen von Bärenkräften einbrachte? Die Edda nennt ihn das erste Grün der Schöpfung:

 

„Sonne von Süden schien auf den Felsen, 
Und dem Grund entgrünte grüner Lauch.“
(aus „Unsere Pflanzen“, Thienemanns Hofbuchhandlung, Gotha 1889)

Er sollte bärenstark machen, Bärenkräfte verleihen, die damals noch nötig waren, so im Kampf Held gegen Held. Während Menschen mit einem schwachen Magen das stark wirkende Kraut manchmal nicht gut vertragen – im Gegensatz zu echten Helden also, schwärmt die Edda weiter vom bärenstarken Lauch:

„Der König selbst ging aus dem Schlachtenlärm,
Den jungen Helden edlen Lauch zu bringen.“
oder
„So groß stand Siegfried vor Gibichs Söhnen
Wie der Lauch, der hoch aus dem Grase sich erhebt.“
(aus „Unsere Pflanzen“, Thienemanns Hofbuchhandlung, Gotha 1889)

Wer den Bärlauch verträgt, ist demnach ein Held. Weil es den kleinen Bärlauchs, Bärläuchen, Bär-, ja wie heißt die Mehrzahl von Bärlauch eigentlich? So massenhaft, wie das Knoblauchgewächs an manchen Orten wächst, muss es doch auch eine Mehrzahl geben. Oder? Weil es also dem kleinen Bärlauch hier auf dem Bergrücken unter den hohen Buchen, zwischen dem braunen Laub so gut geht, spitzt er bald die ersten Blüten aus dem Laub. Wer den Bärlauch ein bisschen kitzelt und an den Blättern zieht, dem gibt er diese ganz freiwillig.

Mit den Bärlauchblättern lassen sich später in der heimischen Küche allerlei Köstlichkeiten zaubern: wie beispielsweise Bärlauchbrot, Bärlauchsenf, Bärlauchpesto oder Bärlauchgnocchis.

Eine Postkarte aus: Gößweinstein

gössw, 273

Gößweinstein: Kirche und Burg

 

Ihr Lieben,

Der Sturm Niklas ist überstanden, im wörtlichen wie im übertragenen Sinne. Zwar ist jetzt einer der beiden Gößweinsteiner Osterbrunnen ziemlich ramponiert, wir sind es jedoch nicht. Ob das Gnadenbild in der Basilika hier seine Finger im Spiel hatte?

Viele liebe Grüße – bis zur nächsten Postkarte.

Postkarten waren einmal? Nein, Postkarten sind immer noch schön. Früher diente die Post- oder Ansichtskarte dazu, dem Empfänger zu zeigen, wo ich bin, dass es mir gut geht – und dass ich an diejenigen denke, die zu Hause bleiben mussten. Zwar wurden in Zeiten von Mails und Statusmeldungen auf Facebook die Postkarten weniger, trotzdem sind sie wunderbare kleine Textminiaturen.

Deswegen zeige ich hier regelmäßig einmal im Monat eine Postkarte, von einem Ort, an dem ich einmal war. Wer mag, kann sich anschließen, eine Postkarte in seinem Blog mit einem kleinen Text versehen – und hier verlinken. Für diese Reihe habe ich mir den 11. jeden Monats ausgesucht. Wer mitmachen mag, verlinkt seinen Beitrag einfach unten als Kommentar: So finde ich – und andere Postkartengucker – diesen im weltweiten Netz.

Alle Jahre wieder: Osterbrunnen in Franken

gössw, 022

Osterbrunnen in Kleinengesee: Ein Schokobrunnen

Eier ausblasen, auswaschen, anmalen: In den Wochen vor Ostern haben die Frauen in Franken genug zu tun – und wahrscheinlich gibt es jede Menge Rührei, Eierkuchen und sonstige Leckereien mit Eiern zu essen. Schließlich werden für die fränkischen Osterbrunnen ja nur die ausgeblasenen Eierschalen verwendet. Aber immerhin echte Eier. Als ich noch in Nordhessen wohnte, gab es inzwischen selbst dort mit Eiern geschmückte Osterbrunnen. Weil’s eben so schön war. Doch dafür haben die Landfrauen nur die billigen Plastikeier verbastelt. Keine echten Eier, so wie im vorbildlichen Franken.

gössw, 086

Osterbunnen in Bieberbach

gössw, 091

Osterbrunnen in Bieberbach

Vor gut 100 Jahren kamen schon Touristen hier nach Franken, und damit sie was zu gucken haben, fingen die Menschen dort an, und schmückten an Ostern die Brunnen. Das ist so schön, dass inzwischen ganze Busladungen an Touristen von Brunnen zu Brunnen fahren. Wir waren für drei Tage in Gössweinstein, und haben uns selbstredend rundherum die Osterbrunnen angeguckt.

In Bieberbach ist der größte Osterbrunnen: Er hat sogar einen Eintrag im Guiness-Buch der Rekorde und wird vorsichtshalber videotechnisch überwacht. Sonst werden möglicherweise die schön bemalten Eier als Andenken mitgenommen, wer weiß. Dabei steht dieser Osterschmuck gar nicht auf einem Brunnen, sondern auf dem Feuerlöschteich.

Leider war das Wetter kalt und vor allen Dingen stürmisch: Einen Osterbrunnen in Gössweinstein hat es dabei ziemlich erwischt und zerzaust.

gössw, 062

Osterbrunnen Obertrubach

gössw, 074

Osterbrunnen in Untertrubach

gössw, 161

Osterbrunnen in Waischenfeld