Aussichtsturm bei Hohenmirsberg

sonntagsspaziergang 042sonntagsspaziergang 004

Wenn das Wetter schön und die Sicht weit ist, lohnt sich eine Fahrt zum Aussichtsturm. Auf der Hohenmirsberger Platte, nach dem Dorf nebenan benannt, steht ein solcher in der Fränkischen Schweiz und markiert damit gleichzeitig deren höchsten Punkt, auch wenn es reichlich eben aussieht.

sonntagsspaziergang 035

Abdrücke von Fossilien sind in manchen Steinen

Alles lag einmal unter Wasser. Das kann ich mir zwar heute kaum noch vorstellen, aber neben dem Aussichtsturm gibt es einen Klopfplatz, auf dem Besucher im Stein eingeschlossene Fossilien freiklopfen können. Selbst auf manchen Feld-, Wald- und Wiesensteinen finde ich Abdrücke.

 

 

sonntagsspaziergang 009sonntagsspaziergang 008

sonntagsspaziergang 016

Steinbruch von oben

Es gibt Wege rundherum, doch so viel laufen mag ich gar nicht, weil ich lieber gucken will. Oben auf dem Turm zeigen Schilder, was die Ferne bietet. Ein Steinbruch ist nebenan.

 

 

sonntagsspaziergang 024sonntagsspaziergang 017

sonntagsspaziergang 018

sonntagsspaziergang 011 sonntagsspaziergang 013    sonntagsspaziergang 020 sonntagsspaziergang 022   sonntagsspaziergang 026 sonntagsspaziergang 029

Heiligenstadt: Eine kleine Wanderung durch Oberfranken

ft 138

Kirche in Heiligenstadt: Turm und Schiff stehen getrennt voneinander.

Im oberfränkischen Heiligenstadt stand die Kirche offen, doch dem wachsamen Blick Gottes vertraute die Gemeinde nicht: Eine Videokamera überwachte den Büchertisch, auf sich Besucher gegen Geld Bücher oder Spiele nehmen dürfen. Glaubt niemand mehr, dass der Mensch an sich gut sei und das entsprechende Kleingeld in die dafür vorgesehene Büchse wirft?ft 136

Auf Schotter geht es weiter.

Der Weg hinaus aus dem Ort führte am örtlichen Supermarkt vorbei. Damit dessen Parkplatz genügend Platz hat, hört der Fußweg vorher auf, für uns blieb nur der Rinnstein. Nur keine Parkmöglichkeit verschenken. Korrekt am Ortsschild endeten geteerte Straße und Bürgersteig, und der Wanderweg begann. Ob die Ausführung des Straßenbaus sinnvoll waren, oder nicht, das steht nicht zur Debatte. Bis zum Ortsschild war die Straße geplant und so wurde sie gebaut, auch wenn die letzten fünf Meter Asphalt völlig ungenutzt längst eine dicke Schicht Moos angesetzt haben. Die Gemeinde hat’s bezahlt.

Von oben grüßt Schloss Greifenstein.

Im Ort waren Bänke aufgestellt, nicht immer mit schöner Aussicht, aber immerhin. Außerhalb des Ortes ist im Graben am Weg ein schöner Sitzplatz für die Vesper, weich bemoost und schattig.

Lauter Kräuter und Blumen und Gras und Sonne…

Unauffällig ging der Weg geradeaus, er hatte sich ein Tarnmäntelchen angezogen, während der Schotterweg rechts abbog und auf wichtig machte. Rainfarn, Wiesenknopf, Schlangenknöterich, Disteln, Schafgarbe, Wegwarte, Pimpinelle, Glockenblumen, das Gras stand hoch und ungemäht. Wir gingen am Waldrand entlang, dabei gab es so viel zu sehen, alles duftete und es war eigentlich viel zu schön, um weiter zu gehen. Ich könnte mich hier auf den Rücken legen, in die duftenden Kräuter, den Wolken beim Ziehen helfen und nichts tun. Doch der Weg will gegangen werden.

Im dunklen Wald ging es einen schmalen Hohlweg entlang bergauf. Als der Wald ein wenig lichter wurde, reichte uns das Gras bis zum Bauchnabel. Oben angekommen, wäre eine Bank schön gewesen, statt dessen ragten überall bemooste Brocken zwischen den Bäumen. Manche sahen wie versteinerte Schildkröten aus, andere erinnerten an Murmeln, mit denen Riesen gespielt hatten. Der Weg war von lila Blüten gesäumt, von Schmetterlingen umflattert, die wonnetrunken vom Nektar von Blüte zu Blüte torkelten.

Am Schwedenfelsen hoch über Zoggendorf lagen Bäume quer, hier hieß es, ein wenig drüberzusteigen und aufzupassen, dass niemand abwärts purzelte. Warum dieser Felsen allerdings so heißt, habe ich noch nicht herausgefunden. Vielleicht diente er den Dorfbewohnern als Zufluchtsort, als die Schweden im dreißigjährigen Krieg vorbeizogen? Oder es saß ein Posten obenauf, um vor diesen zu warnen, so dass alle rechtzeitig das Weite suchen konnten?

 

Eine Höhle unter dem Kletterfelsen

Der Weg wurde schmal und führte abwärts, so ein richtiger Kinder-Weg, auf dem es genügend interessant aussah und viel zu entdecken gab. Wie beispielsweise einen kleineren Weg, eher ein Trampelpfad, der weiterführte, bis zu den Kletterfelsen, unter denen sich kleinere Höhlen versteckten. Aber ohne Taschenlampe reichte das Licht nicht weit.
Weiter ging es, nach Burggrub hinab. Schmetterlinge jagten über wildem Thymian: Hier ist die Fränkische Schweiz ursprünglich, hier baut sein Haus nur der, der von hier stammt und hier bleiben will. Weit weg von Urbanität und ja, sicher auch weit weg von schnellem Internet und anderem Teufelszeug.

ft 208Gasthof Rösch in Burggrub gibt es schon seit 1779, behauptete die Inschrift. Das Bier jedenfalls war frisch, kühl und genau richtig. Die Wirtin ließ die Markise nach unten, so konnten wir draußen im Schatten sitzen. Hier heißt die Devise: Zsamm bleim, keinen von draußen reinlassen, erklärt der urfränkische Lieblingsmann, mit dem ich unterwegs war. Es hat sich in diesen Dörfern herumgesprochen, dass Zugezogene Prozesse führen, wegen zu frühem Hähnekrähen oder weil die Turmuhr zu laut schlägt. Deswegen darf in solchen Orten, die lieber keine Auswärtigen zwischen sich lassen wollen, nur alle zehn Jahre ein Haus gebaut werden. Selbstverständlich nur von Einheimischen. Fremde dürfen dagegen gerne als Gäste kommen, für zwei Wochen im Gasthaus wohnen und sollen danach bitte wieder abreisen.

Über den Panoramaweg gingen wir zurück nach Heiligenstadt. Das war nicht die bessere Wahl, es hatte sich nur besser angehört. Unten im Tal, am Leinleiterbach entlang, wäre es bestimmt schöner gewesen. Vermute ich mal. Am Ortseingang ein Teich, in dem gebadet werden durfte, noch eine alte Wassermühle und ein Traufhäuschen. Das heißt so, weil ft 215früher die Leute so arm waren, dass sie sich keine Dachrinne leisten konnten, meinte der Besitzer, der im Garten vor sich hin werkelte. Später hab ich nachgeguckt, da stand dann, dass der Name „Traufhäuschen“ daher kommt, weil das Grundstück, auf dem es steht, nur so weit reicht, wie das Dach. Ein Armeleutehaus ohne Garten sozusagen.

ft 218

In Heiligenstadt wartete das Auto, wir fuhren ein Stück, kamen oben in Hohenpölz an einem Wegkreuz vorbei, genossen die Aussicht und und sahen kurz danach auf einer Wiese am Dorfrand von Huppendorf Autos parken. Kirmes, oder Kerwa, wie sie in Franken heißt, war angesagt.

ft 224

Huppendorf hat nur 140 Einwohner. 12 davon richten gerade den Kirmesbaum auf, als wir kamen. Ein Zelt stand, und Bierbänke unter Bäumen. Gemütlich sah es aus, und kuschelig. Doch wie mag es sein, wenn man immer hier wohnt, und jeder einzelne so gut wie alles vom anderen weiß? (Und was man nicht weiß, lässt sich dann ja fabelhaft vermuten und mit den anderen Nachbarn bekakeln.)

Das war jedenfalls ein Wanderweg, richtig schön, richtig ruhig, es gab richtig viel zu sehen und zu entdecken. Ich könnte mir vorstellen, dass selbst Kinder aus einer großen Stadt wie Hamburg hier ihre Freude hätten, so in der Natur.